Misère et Corsaire


Ich bin frustriert. Alles nervt. Mein Bauch, meine Haut, mein Leben.

Bauch: Die Methanmelone unter meinem T-Shirt bleibt stur, egal wie viel Lexaf ich kaue. Da keucht und qualmt es wie aus einer verstopften Blubberhookah. So viel zur Fitness. Jahrelang laufen gewesen – für die Katz.

Haut: Stunden investiert (Telefonate, Klinik, Apotheken), um an ein popeliges Medikament zu kommen: Aknemycin. Wirkstoffe: Erythromycin und Tretinoin. Ein Antibiotikum gegen die Pickelpest. Eine „gebrauchsfertige Applikatorflasche“, mit der ich mir die Brühe auf Gesicht, Brust und Rücken pinseln soll. Nur komme ich nicht an meinen Rücken ran! Welcome to my life. Wenigstens kann ich mich jetzt ums Verkommene zwischen den Ohren und ums Dekolleté kümmern. Man muss die kleinen Siege feiern.

Leben: Gestern war ich am Telefon mit einem Fuzzi von der Berliner Krebsgesellschaft, weil die Kollegin, mit der ich sonst zu tun habe, krankgeschrieben ist. Sie sollte mir beim Ausfüllen von Anträgen helfen: Bürgergeld und Zuzahlungsbefreiung. Da sie krank ist, bot er an, sie zu vertreten. Telefonisch, also gemeinsames telefonisches Ausfüllen. Zum Glück hatte ich alles schon vorher erledigt und musste nur zwei, drei unklare Fragen klären.

Als es um meine Konten und Finanzen ging, auch um mein Paypalkonto, warf er mir indirekt vor, ich sei ein Sozialschmarotzer. Von den Sparkonten wusste er nichts. Ich hatte mich um Geld aus dem sogenannten Härtefonds beworben, für die, die es nicht so dicke haben – also nicht die, die an Krebs erkrankt sind und trotzdem einen Tesla fahren oder Häuser besitzen und auf den Seychellen Urlaub machen. Da ich nicht zu dieser Gruppe gehöre, dachte ich, es wäre okay, mich zu bewerben.

Als die Kollegin meine Kontoauszüge sah und erfuhr, dass ich rund 15.000 € im Jahr verdiene, meinte sie, ich sei der perfekte Kandidat für diesen Härtefonds. Doch dann fand der Kollege am Telefon heraus – er war zufällig derjenige, der den Antrag bewilligt hat, was mir erst im Gespräch klar wurde – dass ich es geschafft hatte, über die Jahre ein paar Tausend Euro für meine langersehnte Australienreise anzusparen. Und schon war ich nicht mehr berechtigt? Ich hatte mich beworben und einen Teilbetrag von 460 € erhalten, nicht die vollen 600 €. Er meinte dann, es sei an der Zeit, wie bei anderen Einrichtungen und dem Jobcenter, Einsicht in die Sparkonten zu verlangen, um das Geld den "wahren Bedürftigen" zu geben. Was für ein Arschloch!

On a positive note! Da ich so oft abkotze und euch als Leser missbrauche – wer will schon ständig vom Frust eines an Krebs verreckenden Penners lesen?! – habe ich beschlossen, den Blog mal wieder auf einer positiven Note zu beenden. Mit einer Anekdote. Gestern Abend kam P. vorbei. Er kocht sehr gerne und das verdammt gut. Besser als die meisten, die ich kenne, meine Mutter eingeschlossen. Schon seitdem ich ihn kenne, also seit mittlerweile fünfundzwanzig Jahren. Gestern gab es Coq sans Vin, aber dafür mit Ratatouille (mein allererstes, übrigens) und dazu einen Corsaire. Echt guter Rotwein, muss ich sagen! Gaumen und Seele waren rundum glücklich angesichts von Speis und Trank. Cheers, bro!

Einen gallischen Gruß schickt euch

Victor Gourmetix Mancini

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