Merkwürdig
Mist! Fuck! Verdammte Scheiße! Es ist doch passiert, was ich unbedingt vermeiden wollte. 98 Tage nach meiner Diagnose habe ich mich erkältet. Wahrscheinlich im Flugzeug angesteckt, wer weiß. Ob es zum Tod führen wird? Kann sein. Gilt jetzt abzuwarten. Mir geht's nicht gut, aber ich habe kein Fieber. Solange ich kein Fieber habe, mache ich die Pferde nicht scheu und fliege erst wie geplant morgen zurück.
Freitag steht wieder mein turnusmäßiger Termin bei der Onkologin des Todes an. Entweder gibt's richtig Schelle, weil ich mich nicht wie ausgemacht beim ersten Anzeichen eines Infekts im Krankenhaus eingefunden habe. Oder sie sagt, es sei halb so schlimm. Wird sich zeigen! Als ich dort anrief, ging die Vertretung dran. Mantraartig sagte er dasselbe wie immer. Solange ich kein Fieber habe...
Aber ich möchte euch von meiner Erfahrung am Montag mit meinem Freund D., mit Y. und seiner Frau J. erzählen. D. und ich wurden eingeladen. Wir waren im renommierten Michelin-Sterne-Restaurant La Salita essen. Die preisgekrönte Chefköchin fuhr mit spannenden und merkwürdigen Kreationen auf, die ich insgesamt lecker fand. Merkwürdig im wörtlichen Sinne – also wirklich würdig, sich zu merken, weil die Kombinationen in einem Gericht zu krass waren. Beispiel: Iberischer Schweinebauch, Pistazien, valencianische Miesmuscheln und Sardellensauce.
Nachmachen würde ich sie nie, selbst wenn ich könnte – dafür sind sie nicht gedacht. Zu weit weg von dem, was mich eigentlich berührt: Orecchiette con cime di rapa, Korean BBQ mit tonnenweise Kimchi, Pad Thai mit Garnelen oder Sushi. Aber dann ... Essen berührt mich eben nicht so wie Literatur oder Musik.
Morgen ist meine Zeit hier an der südspanischen Küste schon wieder zu Ende und ich werde mich dem Produzieren von Kunst widmen. Zum Glück, wenn ich ehrlich bin. Ich liebe es, hier bei D. zu sein und mich von meinen Freunden ausführen zu lassen. Aber nichts brauche ich so sehr, um zu überleben, wie das Aneinanderreihen von Worten, das Niederschreiben von Gedanken und das Komponieren von Melodien.
Hustende Grüße in die Welt hinaus
Victor Mancini
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