Der Nachtisch war das Beste!


Ich liege im Bett in Valencia und huste. Und habe Angst deswegen. Seit ein paar Tagen zicken meine Bronchien immer mehr. Sie jammern und beschweren sich – ich weiß nicht, ob wegen der korrumpierten Zellen oder einer nahenden Erkältung. Wie soll man sowas wissen? Bin ja kein Mediziner. Der nächste Termin bei meinen Moiren, Klotho und Lachesis, den Wächterinnen über Leben und Tod, ist erst am Freitag – also am Tag nach meiner Rückkehr. Bis dahin muss ich durchhalten.

Nun bin ich hier in Valencia bei meinem Freund D. und freue mich darüber. Zum einen, weil ich ihn seit zwei Monaten nicht mehr gesehen habe und er mir gefehlt hat – er bringt mich zum Lachen wie kaum ein anderer und lenkt mich wunderbar ab. Zum anderen, weil ich zum ersten Mal raus bin aus Deutschland seit dem Reset. Das letzte Mal war ich hier im Jahr 2000, also vor genau 25 Jahren. Und so wie sich meine Bronchien anfühlen, wird es das letzte Mal sein. Damals war ich mit P. hier. Der hat ein viel besseres Gedächtnis als ich. Er könnte euch jetzt erzählen, was wir damals erlebt haben. Ich nicht. Ich kann mich an gar nichts erinnern.

Ich kann mich nur an heute erinnern. D. hat mir die beeindruckende Ciudad de las Artes y las Ciencias – die Stadt der Künste und Wissenschaften – gezeigt. Die Gebäude gefallen mir ausgesprochen gut – das muss ich sagen, auch wenn ich solche künstlich erbauten Viertel immer ein wenig befremdlich finde. So wie das Regierungsviertel in Berlin. Es herrscht kein Leben dort, weil sie nicht allmählich entstanden, nicht natürlich gewachsen sind. So wie der Motherfucker in mir. Der wächst nicht natürlich, sondern ist eine verkackte Mutation, die mich von innen auffrisst. Wie ihr seht – selbst in Valencia entkomme ich diesen Gedanken nicht. Ich komme immer wieder zurück. Leider. Ich wünschte, es wäre nicht so.

Deswegen noch eine schöne Anekdote zum Abschluss. Wir waren essen im Restaurant um die Ecke. Alles, was mit Fisch zu tun hat: Zamburiñas (Kammmuscheln), Croquetas de gambas (Garnelen-Kroketten), Verduras a la brasa (Gegrilltes Gemüse), Gambas al ajillo (Knoblauchgarnelen), Pulpo a la Gallega (Oktopus nach galicischer Art) und Calamares a la plancha con ajo (Gegrillter Tintenfisch in Knoblauch-Petersilien-Sauce). Der Kellner, José, war der heitere, entgegenkommende Typ. Er hat beim Nachfüllen doppelt so viel in mein Weinglas gekippt. Seine Augen und sein Verhalten legten Kokainkonsum nahe, was uns nicht störte. Immerhin war er nett. Am Ende empfahl er uns den typischen Nachtisch, den wir auch bestellten: TORRIJA. Urteil: Granate! Absolute Granate!

Die eigentliche Anekdote: das ältere englische Paar am Nebentisch. Wir kamen mit ihnen ins Gespräch und die Frau fragte mich, ob ich schon mal in England gewesen sei. Ich erwiderte, nur in London und Brighton. Weiter in den Norden hätte ich es noch nicht geschafft, würde aber gern mal nach Liverpool, Manchester und Newcastle. Sie fragte mich entsetzt, was ich denn DA wolle. Die Städte würden sich nicht lohnen, woraufhin sie mir empfahl, lieber nach Edinburgh zu fahren. So viel zum Kolonialismus in unseren Köpfen.

Schottland, England – ist doch sowieso alles dasselbe! :-)

Mucha suerte y buena salud! Hasta luego, vuestro

Victor Mancini

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