Déjà-vu
Heute gibt es keinen strukturierten Beitrag. In meinem Kopf herrscht Chaos. Deswegen bekommt ihr alles so, wie es mir in den Sinn kommt. Heute ging der Blog für eine Weile nicht. Mein Freund E. hat endlich meine Domain gekauft. Nun findet ihr den Blog auch unter victormancini.de. Da gibt's dann auch Links zu all meinem anderen kreativen Output. Geduld, Geduld, Leute.
Meine Onkologin rief mich gestern an. Dr. V. Unter uns: Christina. War am Dienstag nicht in der Klinik, hat aber sofort meine panische Email gelesen, als sie reinkam – die, die ich ihr Dienstagmorgen geschickt hatte, nachdem ich Montagabend nicht mehr sitzen konnte wegen Atemnot. Musste mich langmachen, völlig ausstrecken und dazu zwingen, normal zu atmen. Auf den Bauch gelegt und eine Wärmflasche unter die rumorenden Bronchien geklemmt. Das half ein wenig.
Gestern war’s dann schon wieder besser. Panik verflogen. Christina wollte trotzdem, dass ich mich sicherheitshalber durchchecken lasse: Blutwerte, EKG, Röntgenbilder von Lunge und Herz – das volle Programm. Mehr wegen meiner Beschreibung des Reißens in der Herzgegend als wegen der Bronchien.
Also ich ab zur Rettungsstelle, wo ich doch schon so oft war. Nicht nur am entscheidenden Tag X im Dezember 2024, sondern auch vorher – beim Radunfall. Und dann beim zweiten. Erst Gips, dann OP. Beides Mal rechte Hand. Dr. Gugelmeier – stadtbekanntes Genie der Handchirurgie. Reimt sich.
Wie dem auch sei – dieselbe Rettungsstelle, déjà-vu. Diesmal nur dreieinhalb Stunden statt fünf oder sechs. Ich hing rum, lauschte dem Hörbuch Jugend von Tove Ditlevsen. Die Art des Lesens und die Stimme von Stine Wintlev – perfekt. Solch eine Stimme hätte ich gerne geheiratet. Nebenbei machte ich Soundaufnahmen von zwei Herzmonitoren, die in verschiedenen Räumen asynchron piepsten. Sofort einen Beat daraus gebaut. Muss ich R. geben für seine Hip-Hop-Sachen. Meine Flatline muss er dann aufnehmen.
Ergebnis gestern jedenfalls: alles in Ordnung! Natürlich nur, wenn man vom Krebs an sich absieht. Wie oft muss ich das noch durchmachen?
Man kann das auch auf diesen Blog beziehen. Letztens redete ich mit einem Freund darüber. Ich fragte, ob es nicht manchmal langweilig sei, meine Gedanken und Geschichten zu lesen. Er antwortete: ‚Nö, ich finde deinen Blog sehr unterhaltsam. Klar, traurig, manchmal auch lustig. Und selbst wenn er mal nicht so gut ist wie am Tag zuvor, dann weiß ich wenigstens, dass du noch lebst. Solange du schreibst, bist du noch da!‘ So habe ich das noch nie gesehen. Also schreibe ich kräftig weiter. Ich möchte ja nicht, dass ihr Angst bekommt.
Zwei letzte Gedanken für heute:
Ich habe von einer alten Freundin gehört: N. Wir haben uns seit mehr als zehn Jahren nicht mehr gesprochen. Wir kennen uns aus Mainz, von der Uni. Wir haben nie zusammen studiert – sie Journalismus und ich Amerikanistik – aber wir haben viele Abende mit Freunden gemeinsam verbracht. Wir waren auch damals schon nie große Freunde, aber ich mochte sie immer. Man hört Jahre, Jahrzehnte nichts voneinander und dann muss erst diese verfickte Scheiße passieren, dass es passiert. Schade eigentlich, dass das Leben so ist. Ich wünschte, ich hätte sie vorher mal kontaktiert. Nun weiß ich nicht, ob ich sie nochmal wiedersehen werde. Well, you never know!
M. hat einen weiteren Song fertig und Z. hat den ersten Bass aufgenommen. Darüber morgen mehr.
Peace out, everyone, wherever you are!
Victor Mancini
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