Posts

Es werden Posts vom März, 2025 angezeigt.

Apixaban

Bild
Treffen sich drei Freunde abends in der Kneipe. Fragt der eine: „Und, was habt ihr am Wochenende gemacht?“ Sagt der andere: „Ich war mit meiner Frau und den Kindern im Wald spazieren, danach gab’s Eis. Und du?“ „Ich war mit meiner Freundin übers Wochenende im Thüringer Wald. Hab mir ’ne neue SLR gekauft. Wollte ich ausprobieren. Und du?“ Dabei schaut er abwechselnd vom Blähbauch in die Pickelfresse und zurück. „Ich war in der Rettungsstelle.“ „Immer die gleiche Leier mit dir. Was war’s diesmal?“ „Thrombose.“ „Wie lange warten?“ „Vier Stunden.“ „Nur? Langweilig!“ So oder so ähnlich hätte es stattfinden können – hat es aber nicht. Das Gespräch meine ich. Das mit der Rettungsstelle stimmt. Ich bin genervt. Ich habe schlechte Laune. Ich habe Kopfschmerzen, die Erkältung klingt nur langsam ab. Mein Kumpel D. sitzt jetzt ebenfalls mit Erkältungssymptomen in Valencia und steckt seine Freundin an, die einen Tag nach meiner Abreise ankam. Staffellauf! Das habt ihr davon, wenn ihr euch...

Merkwürdig

Bild
Mist! Fuck! Verdammte Scheiße! Es ist doch passiert, was ich unbedingt vermeiden wollte. 98 Tage nach meiner Diagnose habe ich mich erkältet. Wahrscheinlich im Flugzeug angesteckt, wer weiß. Ob es zum Tod führen wird? Kann sein. Gilt jetzt abzuwarten. Mir geht's nicht gut, aber ich habe kein Fieber. Solange ich kein Fieber habe, mache ich die Pferde nicht scheu und fliege erst wie geplant morgen zurück. Freitag steht wieder mein turnusmäßiger Termin bei der Onkologin des Todes an. Entweder gibt's richtig Schelle, weil ich mich nicht wie ausgemacht beim ersten Anzeichen eines Infekts im Krankenhaus eingefunden habe. Oder sie sagt, es sei halb so schlimm. Wird sich zeigen! Als ich dort anrief, ging die Vertretung dran. Mantraartig sagte er dasselbe wie immer. Solange ich kein Fieber habe... Aber ich möchte euch von meiner Erfahrung am Montag mit meinem Freund D., mit Y. und seiner Frau J. erzählen. D. und ich wurden eingeladen. Wir waren im renommierten Michelin-Sterne-Restaurant...

Übersättigt!

Bild
Gambas, atún, pimientos de Padrón, Bravas, tortilla y arroces de montón. Calamar hasta la muerte, Un día me basta, no quiero ser tragón. Garnelen, Thunfisch, Pimientos de Padrón, Kartoffeln, Tortilla und Reisgerichtemarathon, Tintenfisch bis in den Tod, Ein Tag genügt, bin kein Gluton.   Offensichtlich verlustiert Victor Biolek  

Der Nachtisch war das Beste!

Bild
Ich liege im Bett in Valencia und huste. Und habe Angst deswegen. Seit ein paar Tagen zicken meine Bronchien immer mehr. Sie jammern und beschweren sich – ich weiß nicht, ob wegen der korrumpierten Zellen oder einer nahenden Erkältung. Wie soll man sowas wissen? Bin ja kein Mediziner. Der nächste Termin bei meinen Moiren, Klotho und Lachesis, den Wächterinnen über Leben und Tod, ist erst am Freitag – also am Tag nach meiner Rückkehr. Bis dahin muss ich durchhalten. Nun bin ich hier in Valencia bei meinem Freund D. und freue mich darüber. Zum einen, weil ich ihn seit zwei Monaten nicht mehr gesehen habe und er mir gefehlt hat – er bringt mich zum Lachen wie kaum ein anderer und lenkt mich wunderbar ab. Zum anderen, weil ich zum ersten Mal raus bin aus Deutschland seit dem Reset. Das letzte Mal war ich hier im Jahr 2000, also vor genau 25 Jahren. Und so wie sich meine Bronchien anfühlen, wird es das letzte Mal sein. Damals war ich mit P. hier. Der hat ein viel besseres Gedächtnis als ich...

Auch wenn ich nichts produziere

Bild
In der psychoonkologischen Beratungsstelle der Berliner Krebsgesellschaft hatte ich gestern einen Termin. Mit einer Frau F. Nett war sie und äußerst kompetent – zumindest hatte ich den Eindruck. Das Gespräch gefiel mir. Wir redeten über dies und das: über meine Situation, darüber, was meinen Seelenfrieden ins Wanken gebracht hat, und darüber, was mir hilft, emotional zu überleben. Als es ums Schreiben ging, sagte ich, dass meine Situation sich verändert habe. Früher, wenn ich mal einen Tag nicht schrieb, weil ich unterrichtete, hatte ich nicht das Gefühl, „faul“ oder „unproduktiv“ zu sein. Schließlich hatte ich unterrichtet – Menschen etwas beigebracht, ihnen beim Erlernen von Deutsch geholfen. Und nebenbei meinen Lebensunterhalt verdient. Nun ist das anders. Jetzt schreibe ich. Punkt. Ich vermisse meinen Unterricht. Die Menschen, die Unterhaltungen, die Interaktion. Mir fehlt der Austausch, das gemeinsame Lachen, die Diskussionen, die Erfolgserlebnisse – wie auch die Versprecher, F...

Nachklapp

Bild
„Siediti“ (Setz dich), sage ich und helfe ihm auf den Stuhl. „Non può mangiare. Deve essere digiuno per gli analisi del sangue! Solo bere, acqua o caffè, ma senza zucchero“ ( Er darf nichts essen. Er muss nüchtern bleiben für die Blutuntersuchung! Nur trinken, Wasser oder Kaffee, aber ohne Zucker ), ruft meine Mutter aus dem Bad. „Aspetta“, sage ich zu ihm. „Fammi finire questo, poi ti faccio un caffè.“ ( Warte, lass mich das hier fertig machen, dann mache ich dir einen Kaffee. ) Ich zerteile die Kiwi, lasse die Stücke in die Schüssel fallen. Ich schaue aus dem Fenster. Die Straße ruhig, das Licht trüb von Wolken. Ich denke an die Fahrt nach Berlin, an die Enge und die Menschen. Ob ich eine Maske tragen soll? Ich schiebe den Gedanken beiseite. Ich schneide blind die Banane in Scheiben, plumps plumps. Blick nach unten, buntes Allerlei. Ich drehe mich um, will nach der Müsli-Packung greifen. Da sehe ich, wie er sich eine getrocknete Pflaume aus der Tüte stibitzt hat. Sie sitzt zwisch...

Woodys Flixtrain-Neurotiker

Bild
  Ich sitze im Flixtrain nach Berlin. Ich mochte den Flixtrain immer. Denn er ist billig. So billig, dass ihn vorzugsweise junge Menschen und Leute ohne Geld nehmen. Das macht ihn zur U-Bahn unter den Fernzügen, falls ihr versteht, was ich meine. Man trifft hier allerlei an. Das finde ich besser als die Geschäftsleute und Bahncard-Träger im ICE, die ihr Spießbürgertum mit sich führen. Natürlich hat der Flixtrain auch viele Nachteile, die der günstige Preis so mit sich bringt. Er fällt gelegentlich aus oder kommt zu spät, wobei letzteres nicht häufiger vorkommt als bei der Bahn (hab ich mir sagen lassen). Der Flixtrain hat definitiv weniger Platz—das Gepäck stapelt sich am Wagenende, die Handgepäckfächer platzen aus allen Nähten. Vier von fünf Toiletten sind defekt. Aber das Schlimmste ist die Luft. Die Fenster bleiben meistens zu und der Duft ist ein Potpourri aus Curry, Furz, Schweiß und Axe. Auch damit kann man lernen zu leben, wenn da nicht die Viren und Bakterien wären. Heute ...

Wilted, withered, faded …

Bild
…maybe not the right words, but the first that come to mind. It’s not like we’ve ever really talked about things that mattered, but still—seeing him like this feels weird. I’m talking about my father—you might have guessed. I’ve been with my family for three days again, since my mom turned 80 yesterday. She doesn’t look it—especially compared to others her age. And considering everything she’s been through, physically and mentally, with my father’s illness and mine, she seems kind of invincible. The birthday dinner was low-key, which was nice. Good food and no distant relatives to make things awkward. My father is gradually recovering from his brain surgery. He’s gaining physical strength, eating again, and smiling—mostly thanks to the cortisone they’re giving him. But I dread the moment they start cutting it back, the withdrawal symptoms, and the possibility that his appetite might vanish again—like it did not too long ago. He’s always been a straight-up guy, always good for a laug...

Déjà-vu

Bild
Heute gibt es keinen strukturierten Beitrag. In meinem Kopf herrscht Chaos. Deswegen bekommt ihr alles so, wie es mir in den Sinn kommt. Heute ging der Blog für eine Weile nicht. Mein Freund E. hat endlich meine Domain gekauft. Nun findet ihr den Blog auch unter victormancini.de . Da gibt's dann auch Links zu all meinem anderen kreativen Output. Geduld, Geduld, Leute. Meine Onkologin rief mich gestern an. Dr. V. Unter uns: Christina. War am Dienstag nicht in der Klinik, hat aber sofort meine panische Email gelesen, als sie reinkam – die, die ich ihr Dienstagmorgen geschickt hatte, nachdem ich Montagabend nicht mehr sitzen konnte wegen Atemnot. Musste mich langmachen, völlig ausstrecken und dazu zwingen, normal zu atmen. Auf den Bauch gelegt und eine Wärmflasche unter die rumorenden Bronchien geklemmt. Das half ein wenig. Gestern war’s dann schon wieder besser. Panik verflogen. Christina wollte trotzdem, dass ich mich sicherheitshalber durchchecken lasse: Blutwerte, EKG, Röntgenbild...

Es lohnt sich immer

Bild
Die letzten Tage waren schön. Aber auch anstrengend. Zu anstrengend, sodass sich meine Lunge gestern Abend mit Drohgebärden beschwerte. Ich bin leider nicht besonders clever, kann nicht akzeptieren, dass an einem Tag nicht mehr so viel geht wie früher. Die Quitting kam, als ich mit Atemnot und brennenden Bronchien auf der Couch lag. Ich hatte solche Angst, dass ich ein paar Zeilen hinterließ, ehe ich schlafen ging, weil ich nicht mehr damit rechnete aufzuwachen. Heute morgen war es dann wieder ein wenig besser, aber noch lange nicht wieder gut. Ich kam mir lächerlich vor, als ich die Zeilen las, die ich geschrieben hatte. Wie ein Kind, das sich unnötig vor der Dunkelheit fürchtet. Aber es lohnt sich immer, das Leben zu riskieren, wenn es mit Kunst und Menschen zu tun hat . Wie am Samstag. Ich hatte Besuch. Mein alter Studienfreund M. war extra für mich aus Lüneburg angereist . Gemeinsam besuchten wir die Nan-Goldin-Ausstellung in der Neuen Nationalgalerie. Ich hätte lieber ihre Fotos ...

Mayflies

Bild
In den letzten Wochen habe ich ein Buch für den Buchclub gelesen, dem ich seit Jahren angehöre. Soweit ich weiß, hat er keinen Namen. Wir sind zu siebt, ich der einzige Mann. Hat mich nie gestört, aber manchmal frage ich mich, ob es sie stört. Keine von ihnen hat mich je spüren lassen, nicht willkommen zu sein. Daher bin ich geblieben. Anyway, wir sprechen bei den Treffen Englisch. Alle Bücher müssen auf Englisch erhältlich sein, gelesen wird aber auch in anderen Sprachen. Die Initiatorin ist eine Franco-Kanadierin, dazu kommen eine Engländerin, eine Halbaustralierin, eine Französin, zwei Deutsche und ich. Altersmäßig ist die Jüngste so Ende zwanzig , wenn ich mich nicht irre, und ich vermutlich das Schlusslicht. Wir treffen uns ungefähr alle sechs Wochen – mal privat, mal im Café, im Sommer auch im Park. Bisher lasen wir thematisch. Wir schlugen Themen vor, wir wählten gemeinsam eines aus. Zum Beispiel: Workplace – Romane rund um den Job, Happiness, zeitgenössische griechische Lite...

Misère et Corsaire

Bild
Ich bin frustriert. Alles nervt. Mein Bauch, meine Haut, mein Leben. Bauch: Die Methanmelone unter meinem T-Shirt bleibt stur, egal wie viel Lexaf ich kaue. Da keucht und qualmt es wie aus einer verstopften Blubberhookah. So viel zur Fitness. Jahrelang laufen gewesen – für die Katz. Haut: Stunden investiert (Telefonate, Klinik, Apotheken), um an ein popeliges Medikament zu kommen: Aknemycin. Wirkstoffe: Erythromycin und Tretinoin. Ein Antibiotikum gegen die Pickelpest. Eine „gebrauchsfertige Applikatorflasche“, mit der ich mir die Brühe auf Gesicht, Brust und Rücken pinseln soll. Nur komme ich nicht an meinen Rücken ran! Welcome to my life. Wenigstens kann ich mich jetzt ums Verkommene zwischen den Ohren und ums Dekolleté kümmern. Man muss die kleinen Siege feiern. Leben: Gestern war ich am Telefon mit einem Fuzzi von der Berliner Krebsgesellschaft, weil die Kollegin, mit der ich sonst zu tun habe, krankgeschrieben ist. Sie sollte mir beim Ausfüllen von Anträgen helfen: Bürgerg...

Verzögerte Realität

Bild
Wie so oft beginne ich meinen Blog mit gestern . Das ergibt Sinn, weil ich euch von dem erzählen möchte, was mich gerade beschäftigt auf meiner Reise zum Tod. So auch heute wieder. Vielleicht könnt ihr speziell an diesem Eintrag sehen, wie es in mir in Wellen auf und ab geht. Fast wie bipolar. Wenn ich wüsste, wie sich das anfühlt. Anyway, gestern … hatte ich einen sehr produktiven Tag. Produktiv heißt für mich: aufstehen, ein wenig lesen – zurzeit Heaven von Mieko Kawakami, das mir bisher gefällt! – dann essen, um meine Medikamente zu nehmen. Ein neues ist mittlerweile dazugekommen (Rosuvastatin Vivanta 20mg) – gegen zu hohe Cholesterinwerte. Die entstehen wiederum durch die Wunderpille, die mir überhaupt ermöglicht zu überleben. Natürlich habe ich sofort eingewandt, dass ich meine Ernährung fettfreier und insgesamt gesünder gestalten könnte, um das Medikament zu vermeiden. Aber meine Onkologin sagte, das Risiko sei zu hoch. Höchstwahrscheinlich könne ich noch so gesund essen, und ...

Ralf M. und das Erbe der Josefine Mutzenbacher

Bild
Ich war dabei, meinen Antrag auf Bürgergeld auszufüllen und die Dokumente zusammenzusuchen. Genervt von der schieren Menge rief ich beim Jobcenter an. Die Nummer hatte man mir am Tag der Identitätsbestimmung gegeben. Durch die Warteschleife landete ich bei Ralf M. Eine Nummer für sich dieser Mitarbeiter. Als ich ihm erklärte, dass ich den Bürgergeldantrag nur ausfülle, um abgelehnt zu werden, um schließlich zur Grundsicherung zu gelangen, tat er so, als wüsste er sofort Bescheid. Dann fragte er trotzdem erstmal nach meinem Geburtsdatum. Damit er verstand, erwähnte ich meinen Lungenkrebs. Er: Ja, ich hab auch 'nen Tumor. Ich: Wie, sie haben auch einen Tumor? Ist der heilbar oder wieso arbeiten sie denn jetzt? Er: Na, von zuhause. Wegen Ansteckung. Ich: Hä, wie? Er: Na ich darf von zuhause arbeiten, damit mich keiner ansteckt. Ich: Ach so. Aber wieso denn überhaupt arbeiten? Er: Ich will doch arbeiten. Geld verdienen, solange ich kann. Ich: Aber wo ist denn der Tumor und ist d...

A Waste of Time

Bild
Guten Morgen! Es ist Sonntag und ich bin frustriert. War ich früher auch schon, weil ich mir an diesem Tag immer besonders meiner Einsamkeit bewusst werde. Seit meinem Reset hat sich die Qualität der Einsamkeit jedoch verändert. Wie genau, begreife ich selbst nicht, kann ich nicht erklären. Was ich begreife und erklären kann, ist die gefühlte Zeitverschwendung, die ich jeden Tag empfinde. Ich möchte nicht mehr einfach nur so meine Zeit verbringen. Das käme einem Vergeuden gleich. So wie der gestrige Tag. Er fühlte sich letzten Endes so vergeudet an, dass ich abends auf der Couch lag und vor Verbitterung in einer Art Starre verfiel. Was war geschehen? Eigentlich nichts. Und doch war ich am Boden. Ich habe den Tag mit meiner Steuererklärung für 2024 verbracht. Könnt ihr euch vorstellen, wie sinnlos das ist? Ich verdiene fast nichts, zahle keine Steuern – und trotzdem muss ich den ganzen digitalen Papierkram erledigen, der angesichts meiner krankheitsbedingten Situation nur noch absu...