Vier Minuten und fünf Sekunden

 

Mir ist heiß. Ich denke, ich habe Fieber, auch wenn mein Thermometer das nicht wirklich bestätigt. Vielleicht ist es kaputt oder zeigt Mist an, weil ich es nur unter den Arm klemme. In den Arsch stecken finde ich nicht so geil. Also jetzt nicht, weil ich homophob wäre oder so ein Quatsch, aber ich finde die Vorstellung, mir etwas Spitzes Metallisches rektal einzuführen, einfach nicht so prickelnd.

Jedenfalls fühle ich mich krank. Scheiße! Das ist genau das, was ich vermeiden sollte. Wovon die Ärztin sprach. Ausgerechnet das passiert jetzt. War gestern vielleicht zu viel und zu lang unterwegs, dabei den Körper ausgepowert. Oder es waren Menschen, die mich angesteckt haben. War viel in der Bahn und auch sonst da, wo Menschen eng aufeinander sind. Aber ich will jetzt nicht die ganze Zeit mit Maske rumlaufen. Das würde mich kirre machen. Ich will nicht zum Hypochonder werden. Höllisch aufzupassen, würde es meiner Meinung nach nur schlimmer machen. Dann kriege ich erst recht die Kretze. Nein, nein, nein, darauf lasse ich mich nicht ein. Wenn ich frühzeitig hops gehe, dann soll es so sein.

Ich weiß, woran es in Wahrheit liegt: ich will nicht die ganze Zeit dran denken. Ich bin ja in Gedanken sowieso schon immer und ständig bei dieser verfickten Krankheit, die mich eingeholt und mein Leben zerstört hat. Ist es nicht verständlich, dass ich sie ab und zu vergessen möchte? Jeder Augenblick, an dem ich nicht an sie denke, ist Gold wert. Ich freue mich darüber wie über das schönste Geschenk.

Zum Beispiel heute: Da hat mir mein Freund Miguel einen neuen Song geschickt. Soll heißen einen meiner Songs mit echtem Schlagzeug, das er für mich eingespielt hat. Könnt ihr euch vorstellen, wie gut das klingt im Vergleich zu programmierten Drums? Während ich also der Aufnahme lausche, vier Minuten und fünf Sekunden lang, vergesse ich alles um mich herum. Bin solange in einer anderen Welt, in der noch alles in Ordnung war.

So viel für heute - mein Körper braucht Ruhe.

Gracias, Miguelito, und danke an alle da draußen, die mich nicht vergessen

Victor con-dolor-y-amor Mancini

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