Rollercoaster, once again



Mannomann, was für ein Geflenne die letzten Tage. Erst meldet sich E. Merkwürdiges Gefühl nach all den Jahren. Das ist, wie wenn man für eine lange Zeit so ganz tief unten in der Gletscherspalte festhängt und über die Jahre so langsam rausgeklettert ist und so kurz vorm Rand verweilt und nie so richtig rausgucken kann, weil man ihn nicht zu greifen kriegt.

Dann schenkt mir ein Freund ganz viel Geld, also so viel, wie mir noch nie geschenkt wurde, und damit kann ich mir jetzt locker den Flug nach Australien buchen. Was soll ich dazu sagen? DANKE!!!

Ein weiterer Freund will mir auch einen Flug schenken, nach Irland, und alle sagen, ich soll immer alles annehmen, soll nicht rummachen, ich könne es gebrauchen, ich habe es verdient. Der Irlandfreund sagte sogar wörtlich „Du siehst daran, wie viel du für andere getan hast. Ist doch schön, wenn ein bisschen was zurückkommt.“ Aber es fühlt sich trotzdem komisch im Bauch an. So als wäre ich kurz vorm Verrecken, als könne an dem Zauber der Medikamente was nicht stimmen. Vielleicht haben alle ja auch recht damit und ich gehe schon viel früher über den Jordan. Who the fuck knows?!

Heute morgen ist sie dann abgereist, mit ihrem Freund. Zurück nach Italien, wo sie lebt. Meine älteste und beste Freundin, zu der ich über fünf Jahre aus dummen Gründen, aus Missverständnissen, keinen Kontakt mehr hatte und mit der ich erst deswegen wieder spreche, weil ich krank bin – wie bescheuert ist das Leben eigentlich?! – und nun sitze ich hier und weine wieder.

Und meine Onkologin war so nett heute morgen. Ganz anders als ich sie in Erinnerung hatte. Als mein Tumor noch alles verzerrte und ich wie Picasso in seinen besten Zeiten sah. Sie sagte, sie wünsche mir, dass es mir gut gehe. So lange wie möglich. Und es sei scheißegal wie teuer das Medikament sei, darüber müsse ich mir keine Gedanken machen und wenn ich zusätzlich noch Psychotherapie machen möchte, was sie mir übrigens empfiehlt, dann solle ich das ruhig machen, egal was es die Krankenversicherung koste. Und dann rief sie mich ein paar Stunden später an und sagte, meine Cholesterinwerte seien zu hoch, wegen der Medikamente, nicht weil ich so viel Fettes esse, aber natürlich liegt es auch daran, und deswegen muss ich ein weiteres Medikament nehmen. Dominoeffekt!! Meine neue Realität.

Und dann gab’s wieder neue Musik. Von Miguel. Herrlich, wie schön die Songs klingen.

Ach ja, und dann ist da noch mein Dad. Der baut weiter ab. Und ich weiß nicht, wie ich ihm helfen kann. Oder meiner Mutter. Und vor allem meinem Bruder, der da so hilflos zwischen allen sitzt und mit angucken muss, wie alle um ihn rum abkacken.

So, genug rausgehauen. Das war mal ein Rollercoaster. Für 2.706 Zeichen (bis Rollercoaster, ihr Nachzähler) sieben Taschentücher vollgerotzt. Ungelogen!

Eure Heulsuse

V. M.

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