Horrorshow

                                             

Heute nur ein paar schnelle Worte zu meinem gestrigen Tag, der furchtbare Züge hatte. Wie ihr wisst, sind meine Onkologinnen des Todes nicht besonders einfühlsam. Das liegt einfach in der Natur der Dinge. Sie haben keine Zeit für eine umfangreiche Betreuung. Sie therapieren zwar – sprich, sie erstellen die Diagnose, sind bei der Tumorkonferenz dabei, entscheiden über die Therapieform – aber für alle Fragen zwischendurch, zu Nebenwirkungen oder sonstigem, haben sie keine Zeit. Dafür gibt es die sogenannten OVZs (Onkologischen Versorgungszentren). Ob man beides haben kann, eine gute Therapie und eine gute Betreuung, das habe ich bisher nicht herausfinden können. Die OVZs sagen nein, aber ich vertraue ihnen nicht.

                                                                  Blick aus dem Fenster (9. Stock) des OVZ Landsberger
                                                                  Allee, direkt an der S-Bahn-Haltestelle.

In einem solchen OVZ war ich gestern, um den leitenden Arzt kennenzulernen und mir daraufhin zu überlegen, ob ich dorthin wechseln möchte, statt im Vivantes Klinikum Friedrichshain zu bleiben. Ich ging also pünktlich um 12 Uhr zum vereinbarten Termin und war überwältigt von der schieren Anzahl an Patient:innen, die dort anwesend waren. Alle waren sie zum Sterben da, und ich saß mittendrin im überfüllten Wartezimmer. Ich konnte nicht anders und weinte. Man sah mich an. Die Sterbenden unterhielten sich im Berliner Akzent. Ich weinte weiter. Dann las ich und hörte Musik, um die Stimmen auszublenden. Nach einer Stunde und vierzig Minuten stand ich auf und ging. Ich hatte genug von dieser Horrorshow.

Was soll ich nun tun? In der Klinik bleiben, wo ich mich insofern wohlfühle, dass ich fast immer allein auf einem verwaisten Gang sitze und nur kurze Zeit warten muss? Außerdem befindet sich alles an einem Ort, fürs EKG muss ich nur zwei Stockwerke runtergehen. Fürs CT werde ich angerufen und man gibt mir einen Termin. Aber so richtig menschlich sind sie nicht, und wenn's hart auf hart kommt, muss ich in den sauren Apfel beißen und in die Rettungsstelle? Am besten wäre, wenn ich einen guten Hausarzt hätte. Den hab ich aber nicht. Meiner ist eine absolute Katastrophe.

Hat jemand einen Tipp? Was würdet ihr an meiner Stelle machen?

Verzweifelst
Victor Mancini

Kommentare

  1. Sirigel /Sven Kleinschmidt31. März 2025 um 08:43

    Suche dir bitte einen Onkologen, bei ihm bekommst du auch die Zuwendung, die du in deiner Situation brauchst. Ob und welche Therapie du beginnst oder auch nicht, kannst du nur nach einer ausführlichen Aufklärung über Nutzen, Nebenwirkungen und einer sinnvollen Prognose entscheiden. Ich kann dich sehr gut verstehen und wünsche dir alles Beste.

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