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Es werden Posts vom Februar, 2025 angezeigt.

Rollercoaster, once again

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Mannomann, was für ein Geflenne die letzten Tage. Erst meldet sich E. Merkwürdiges Gefühl nach all den Jahren. Das ist, wie wenn man für eine lange Zeit so ganz tief unten in der Gletscherspalte festhängt und über die Jahre so langsam rausgeklettert ist und so kurz vorm Rand verweilt und nie so richtig rausgucken kann, weil man ihn nicht zu greifen kriegt. Dann schenkt mir ein Freund ganz viel Geld, also so viel, wie mir noch nie geschenkt wurde, und damit kann ich mir jetzt locker den Flug nach Australien buchen. Was soll ich dazu sagen? DANKE!!! Ein weiterer Freund will mir auch einen Flug schenken, nach Irland, und alle sagen, ich soll immer alles annehmen, soll nicht rummachen, ich könne es gebrauchen, ich habe es verdient. Der Irlandfreund sagte sogar wörtlich „Du siehst daran, wie viel du für andere getan hast. Ist doch schön, wenn ein bisschen was zurückkommt.“ Aber es fühlt sich trotzdem komisch im Bauch an. So als wäre ich kurz vorm Verrecken, als könne an dem Zauber der Me...

Vier Minuten und fünf Sekunden

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  Mir ist heiß. Ich denke, ich habe Fieber, auch wenn mein Thermometer das nicht wirklich bestätigt. Vielleicht ist es kaputt oder zeigt Mist an, weil ich es nur unter den Arm klemme. In den Arsch stecken finde ich nicht so geil. Also jetzt nicht, weil ich homophob wäre oder so ein Quatsch, aber ich finde die Vorstellung, mir etwas Spitzes Metallisches rektal einzuführen, einfach nicht so prickelnd. Jedenfalls fühle ich mich krank. Scheiße! Das ist genau das, was ich vermeiden sollte. Wovon die Ärztin sprach. Ausgerechnet das passiert jetzt. War gestern vielleicht zu viel und zu lang unterwegs, dabei den Körper ausgepowert. Oder es waren Menschen, die mich angesteckt haben. War viel in der Bahn und auch sonst da, wo Menschen eng aufeinander sind. Aber ich will jetzt nicht die ganze Zeit mit Maske rumlaufen. Das würde mich kirre machen. Ich will nicht zum Hypochonder werden. Höllisch aufzupassen, würde es meiner Meinung nach nur schlimmer machen. Dann kriege ich erst recht die Kretz...

Das größte Arschloch von allen

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Ich bin wieder zuhause. Mit Besuch von Freunden. Ist schön aber auch anstrengend. Noch keine Ruhe. Ich brauche Platz und Zeit für mich. Muss schreiben, um klaren Kopf zu bewahren. Die scheiß Bundestagswahlen waren am Sonntag. Haben mich tierisch runtergezogen. Vor allem, weil ich eh nicht wählen darf. Wisst schon, ich Deutschlehrer aber mein Pass sagt immer Italiener. Und ihr wisst, was das in Deutschland heißt. Einmal Kanake, immer Kanake! Interessant ist, dass mein Bruder schon lange einen deutschen Pass hat, bestimmt seit zehn Jahren. Ich hab ihm noch davon erzählt, also dass es mittlerweile möglich ist – so doppelte Staatsbürgerschaft und so. Und dann ist er zum Rathaus und hat’s gleich umgesetzt. Seit letztem Jahr sogar meine Eltern. Nur ich krieg ihn nicht. Bin nicht gut genug für den Puff. Egal. Bin eh bald tot! Zurück zu den Wahlen. Kann mich auch ohne Pass darüber aufregen oder freuen. Zum Glück sind die Wichser von der FDP raus, und das ist ja immerhin ein Segen - endlich ...

Fangs of hell

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Death is depressing as it is. If you’re surrounded by it, it’s even more depressing. My mom’ s right in the middle of it . I’ve never felt a stronger urge to kill someone, anyone. Yes, you’ve guessed right. I’m at my parents. Just for a weekend. One weekend is enough to become a murderer.    I feel sorry for my dad who’s turned into a weak little creature waiting to die. And m y mother who tak es care of him even though he despises her for it because she’s the last person he wants to be dependent on. I’m thinking abomination and purgatory, fire and brimstone, witches burning on a pyre. I feel sorry for her, too, but it’s hard to show empathy when she’s such a pain in the a r s e .  How did I survive this unbearable weekend? I’m not sure. If anything, it makes me crave my death. I’d rather die than live another day trapped in the fangs of hell. All I want is a bit of peace. Is that too much to ask for? To die in peace? From the most suffocating place on earth V. M.

Horrorshow

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                                              Heute nur ein paar schnelle Worte zu meinem gestrigen Tag, der furchtbare Züge hatte. Wie ihr wisst, sind meine Onkologinnen des Todes nicht besonders einfühlsam. Das liegt einfach in der Natur der Dinge. Sie haben keine Zeit für eine umfangreiche Betreuung. Sie therapieren zwar – sprich, sie erstellen die Diagnose, sind bei der Tumorkonferenz dabei, entscheiden über die Therapieform – aber für alle Fragen zwischendurch, zu Nebenwirkungen oder sonstigem, haben sie keine Zeit. Dafür gibt es die sogenannten OVZs (Onkologischen Versorgungszentren). Ob man beides haben kann, eine gute Therapie und eine gute Betreuung, das habe ich bisher nicht herausfinden können. Die OVZs sagen nein, aber ich vertraue ihnen nicht.  ...

Memento mori

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Sei dir deiner Sterblichkeit bewusst Wie oft habe ich in meinem Leben gehört, dass irgendwas ungesund ist oder krebserregend. Pah! Lächerlich. Wer glaubt, dass falsches Essen, Mikroplastik oder das Handy am Ohr einen umbringt, hat keine anderen Sorgen im Leben. Ob der Krebs euch erwischt oder nicht – das zu kontrollieren, steht nicht in eurer Macht. Der sucht sich seine Opfer selbst. Höchstwahrscheinlich schlummert er in eurer DNA, checkt mal die Familienhistorie. Vielleicht arbeitet ihr im radioaktiven Labor – okay, dann gebt euch meinetwegen die Schuld. Oder ihr lebt in der Nähe von Tschernobyl oder Fukushima. Fair enough. Aber wenn ihr ernsthaft glaubt, dass euch der Supermarkt umbringt, dann macht ihr euch was vor. Ist nur meine Meinung! Aber was weiß ich schon?! Wie oft habe ich mich schon seit meiner Diagnose gefragt, woher der hundefotzige Dreckswichser kommt, der sich in meine Lunge eingeschlichen hat? Vom Kiffen? Da haben selbst die Pneumologen und Onkologinnen des Todes gel...

Nachtgedanken III oder was Kortison mit mir macht

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Es ist 5:26 und ich kann mal wieder nicht mehr schlafen. Ich dachte, damit wäre Schluss . S eit gestern nehme ich kein Kortison mehr. Das ist der größte medikamentöse Einschnitt seit Wochen. Kein Medikament hat meinen Körper so durcheinandergebracht wie dieses. Er spielt völlig verrückt wegen der Veränderung. Ihr könnt euch nicht vorstellen, wie heftig dieses Zeug langfristig ist. In beide Richtung en: wenn man anfängt, das Medikament zu nehmen und wenn man es wieder absetzt. In die eine Richtung zuerst. Es macht dich gefräßig und schwemmt den Körper auf. Man hat überall Wassereinlagerungen, aber man nimmt auch an Gewicht zu, weil man ständig isst. Man wird fett und schwabbelig. Man bekommt ein Doppelkinn und ein midriff bulge , also Speckrollen um die Taille. Und man hat einen Blähbauch, einen vollen Darm. Man scheißt Ladungen für drei. Hat ununterbrochen Blähungen, stinkt bestialisch von innen nach außen. Fühlt sich wie eine wandelnde Schwefelanlage. Man ekelt sich vor sich selbst....

Realitätscheck

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Ein Samstag in meinem aktuellen Leben. Produktiv und gelungen, würde ich sagen.  Ich bin sofort hellwach. So geht es mir seitdem Reset. Kein Matsch am Morgen. Ich sehe aus dem Fenster. Es ist noch dunkel. Im Haus gegenüber brennt in zwei Wohnungen Licht. Ich trinke Fencheltee, um die Darmflora bei Laune zu halten - so viel zum Punkrock von heute! - und schreibe den Eintrag zum Valentinstag. Vor mir auf dem Tisch in einer Vase die Schnittblumen von gestern – eine stilvolle Mischung aus violetten Rosen und anderem Gewächs, das ich nicht bestimmen kann, weil ich mich noch nie für Blumen interessiert habe. Ich kann auch keine anderen Pflanzen detailliert unterscheiden oder Pilze oder Tiere. Mich interessieren Menschen, verdammt nochmal! Ihre Emotionen und Gedanken. Die kann ich sehr wohl unterscheiden.  Dann esse ich Müsli mit Obst und nehme meine Wundertablette, die mir ein wenig Leben schenkt. Ich brühe mir einen einfachen Filterkaffee auf. Nicht fancy, nicht stark, nicht hip. ...

Sankt-Valentins-Krankheit

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Ich hasse Valentinstag. Hab ich schon immer, lange vor meinem RESET. Falls ich’s noch nicht erwähnt habe – so nenne ich den Tag seit meiner Diagnose.  Valentinstag ist mir ein Graus. Viele denken jetzt wahrscheinlich, das liegt daran, dass ich Liebende verabscheue, weil ich nicht zum Club gehöre. Und ja, damit haben sie sogar recht. Nicht, dass ich nie in Beziehungen gelebt hätte. Aber doch seltener als die meisten, die ich kenne. Und selbst wenn ich am 14. Februar mal verpartnert war, hab ich weiß der Teufel nicht in kitschiger Art unsere Liebe zelebriert, wie es der amerikanische Konsumkapitalismus vorsieht. Wir feiern ja mittlerweile auch Xmas statt Weihnachten, dazu Halloween, Black Friday, Thanksgiving. Warum also nicht auch Valentine’s Day?!  Der heilige Valentin galt im Mittelalter als Schutzpatron gegen die Fallsucht, die Epilepsie, auch als „Valentins-Krankheit“ oder „Valentins-Plage“ bezeichnet. Denkt also wenigstens an die ganzen Zuckenden da draußen, die andere Sor...

Brimborium

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Es schneit. Wenigstens das. Ausblick aus meinem Schlafzimmerfenster. Ich wünschte, ich wäre gut drauf. Bin ich aber nicht. Klar, könnte man sagen: „Na logisch, der ist ja auch sterbenskrank. Wie soll der gut drauf sein?“ Aber so einfach ist das nicht. Ich hab auch gute Momente, schöne Phasen, die ich genieße. Mit Sela im Kino, Koreanisch BBQ mit Attty – das sind Erlebnisse, die bleiben. Ein Mensch kann nicht durchgehend scheiße drauf sein. Genauso wenig wie durchgehend gut. Aber wenn man unglücklich ist, hat das meistens einen Grund. Bei mir ist es nicht nur die Krankheit, sondern das ganze organisatorische Brimborium. Ich will schreiben, kreativ sein, mich ausruhen, wenn mein Körper zickt und brummt, nölt und summt. Stattdessen: Anträge ausfüllen, mit Ämtern telefonieren, Profildaten eingeben, Dokumente hochladen. Das frisst meine Zeit, meine Kraft, meine Nerven. Noch mehr beschäftigt mich die Qual der Wahl. Ich muss mich für meine ärztliche Betreuung entscheiden. Also ob ich weiter...

Auch der Tod hat eine klare Hierarchie

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Achtung, jetzt wird’s eklig. Ich finde Rotze, Schleim, Scheiße, Blut, Gedärme und Eiter nicht besonders widerlich. Die gehören zum Leben. Bürokratie nicht. Die finde ich abstoßend. Viel abstoßender als alles, was ein Körper ausscheiden kann. Mein Freund Philipp sagt, Bürokratie sei nicht mein Feind. Sie existiere, um Korruption zu verhindern. Mag sein. Aber sie entmenschlicht, wie auch die Ordnung. Bei Erpenbeck las ich: „Was berechenbar ist und starr, kann man untergraben und brechen. Nur das Chaos entgleitet und bleibt.“ Daran muss ich auch denken, wenn ich an Bürokratie denke. Auch der Tod hat eine klare Hierarchie. In Deutschland stirbt man nicht einfach. Man stirbt mit Status. Mit oder ohne Würde, je nachdem, wie man vorher gelebt hat. So wie auch nicht jede Arbeitslosigkeit gleich ist. Da gibt es Unterschiede. Warst du angestellt, bekommst du Arbeitslosengeld. Warst du prekär beschäftigt, gibt es Bürgergeld. Warst du selbstständig, dann hast du Pech. Und jetzt komm ich mit mein...

Filmglücklich!

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Ich unternehme Dinge. Fast so wie früher. Gestern war ich im Kino. Ein filmischer Orgasmus. Der Psychologe ist sich mit mir einig, dass ich dies brauche, um Kontrolle über mein Leben zurückzubekommen. Mich nicht zuhause einsperren und Trübsal zu blasen, sondern zu machen. Dinge des Alltags erledigen: einkaufen, kochen, Klamotten waschen, die Wohnung putzen. Sport treiben, Rad fahren, Bücher in der Bibliothek ausleihen, lesen. Dann gibt es die Arbeit: die eine, die meinen Lebensunterhalt finanziert hat. Die ich mein Leben lang gern gemacht habe: zu unterrichten. Früher auch Englisch und Italienisch, aber eigentlich - mit Inbrunst - nur Deutsch. Denn keine Sprache liebe ich mehr. Aber das ist jetzt vorbei. Oder zumindest für unbestimmte Zeit auf Eis gelegt. Ich vermisse meine Schüler:innen. All die Leute von überall her, die ich in den letzten Jahrzehnten mit Deutsch versorgt habe, wie die Mutter ihr Kind mit Milch. Wer diesen Vergleich unpassend findet, hat den Sprachunterricht nicht ga...

Mit anderen Augen

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Ich war mit einer Freundin spazieren. Im Westen der Stadt. Immer wenn ich im Westen bin, in diesem Fall in Schöneberg und Charlottenburg, fühle ich mich wohl. Ich weiß nicht, warum. Ich lebe nunmehr seit sechzehn Jahren in Berlin und alle davon in Friedrichshain. Und das finde ich schade, denn der Osten ist dröge und langweilt mich. Er ist natürlich viel weniger schnöselig, was für jemanden wie mich, der sein Leben lang immer gegen das hierarchische Klassendenken gewettert hat, der einzige Ort ist, an dem ich leben kann, ohne meine eigenen Ideale zu verraten. Dennoch kann ich nicht umhin, die Seitenstraßen von Wilmersdorf, die Gassen von Charlottenburg und die Kieze von Schöneberg als schöner zu empfinden. Sie drücken etwas aus, das älter ist als Ost und West. Die Straßen scheinen sich nicht um Politik zu kümmern. Wie eine alte Diva, die erhaben über den Belanglosigkeiten des Alltags thront. Und das hat eine beruhigende Wirkung auf meine Seele. Ich kann dabei die Botoxgesichter genaus...

Die unrunde Runde

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Gestern war ich bei der ersten Selbsthilfegruppensitzung meines Lebens. Vielleicht auch meiner letzten. Ich merkte sofort: meine Vorstellung von Selbsthilfegruppen war durch und durch verklärt. Ich habe einfach zu viele amerikanische Filme und Serien gesehen, denke ich. Ich hatte das Bild von im Kreis sitzenden Leuten vor Augen, die sich das Herz ausschütten, egal weswegen. Ob wegen Alkoholsucht, Aggressionsbewältigung oder multipler Sklerose für Familienangehörige – ich dachte, man erzählt seine Geschichte, bekommt Mitgefühl, Verständnis – und im besten Fall einen brauchbaren Tipp. Oder wenigstens ein bisschen Solidarität für den Heimweg.  Gestern saßen wir auch in einer Art langgezogenem Kreis. Am Bundesplatz in Charlottenburg. Knapp fünfzehn Leute, alle ohne Weiteres zwei Jahrzehnte älter als ich. Aber gut, dafür kann ja keiner was. Vielleicht lag’s trotzdem daran. Die Gruppe störte sich irgendwie an meiner Anwesenheit. Hätte mir ja egal sein können. War’s anfangs auch. Viellei...

Das Buch überhaupt

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Und täglich grüßt das Murmeltier… 4:32 Uhr war mir dann doch zu früh. Also habe ich mich anderthalb Stunden gewälzt und gewälzt. Soll ja auch was bringen. Also das im Bett-liegen-bleiben. Besser liegen und ruhen als aufstehen und stressen. Nur stresst das Kopfkino dann halt. Immer wieder im Kreis drehen, dieselben Fragen. Ich würde ja auch gerne planen, Pläne für die Zukunft machen, so wie andere. Aber das hat jetzt ne ganz andere Qualität bekommen. Beispiel: Ich buche gerade Flüge. Überall hin. Nach Spanien, Italien, Irland, Norwegen, Finnland und wohin auch immer. Ganz ohne schlechtes Gewissen dem Klima gegenüber. Das hat mir einen Freifahrtschein gegeben, ist gar nicht sauer auf mich. Meinte zu mir: Giancarlo, olle Socke, du darfst das. Dein ökologischer Fußabdruck ist jetzt nun wirklich nicht dein Problem. Das überlass mal schön den anderen Klimaschweinen. Und ich so: Na gut, liebes Klima, dann scheiß’ ich drauf und buch’ jetze meinen Flug nach Australien. Und als ich so auf Skysca...

Nachtgedanken II oder was Insomnia mit meinem Gehirn macht

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Ich denke, ich war in meinem früheren Leben eine wissenschaftliche Maus. Also im Tierreich, vor einigen Tausend Jahren. Im 21. Jahrhundert vor der Mausrechnung schuf ich im Labor von Knäckewood ein Lebenselixir, mit dem die gesamte Mausbevölkerung vor der Krankheit namens Qualle gerettet wurde. Bis dahin war es üblich, dass die armen Tiere grundlos an dieser heimtückischen vermaledeiten Seuche erkrankten, manchmal innerhalb weniger Tage elendig verendeten. In einigen Bezirken sind ganze Familienzweige ausgestorben, weil sie in regelrechten Epidempien dahingerafft wurden. Bis ich ins Spiel kam und ein Serum erfand, das in Form von Käseenzymen über den Magendarmtrakt aufgenommen wurde und die Mäuse dem Erreger gegenüber immun machte. Ich wurde in diesem Leben als großer Held gefeiert und hatte bis zum Lebensende ein Anwesen mit Bediensteten und gab so manche Festlichkeit, zu der die berühmtesten Gelehrten, Schauspieler und Künstler erschienen. In der Nacht meines Todes ging ich aus mein...

Kunstkonsum

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Ich gehe wieder unter Menschen. Am Donnerstag Pizza mit Freunden bei Spaccanapoli. Ich war auch in der AGB, habe ein Buch ausgeliehen, bin durchs Kaufhaus gestreift – trotz der Ansteckungsgefahr in überfüllten Räumen. Fahrradfahren. Sonnenlicht im Gesicht. Wie lange habe ich das nicht mehr gemacht? Autonomie und Freiheit. Und der Wind, der mir ins Gesicht weht. Herrlich! Seht aus dem Fenster – die Sonne scheint. Schnappt euch das Fahrrad und dreht eine Runde!  Am Sonntag dann Neukölln. KINDL – Zentrum für zeitgenössische Kunst. Wie immer allein. Das hat sich auch durch meine Krankheit nicht geändert. Schwierig, sonntags jemanden zu finden, der Zeit hat. Wie sagte schon Hans Fallada? Jeder stirbt für sich allein. Zu den Ausstellungen Zuerst sah ich den Film der Videokünstlerin Nina E. Schönefeld, RIDE OR DIE. Eine dystopische Erzählung über ein Journalistenpaar im Jahr 2039. Überwachungsstaat, blabla. Ich habe mir mehr als zwanzig Minuten angetan – warum, weiß ich nicht. Vielleicht...

Licht am Ende des Tunnels

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Die Sonne geht allmählich auf  Sitze schon lange da und sehe ihr dabei zu  Alles ist sinnlos, wozu?  Ich weiß nichts mit mir anzufangen  Alles ist anstrengend, selbst das Sitzen  Der dicke Bauch ist im Weg  Es atmet sich schwerer als früher  Ich kann nicht aufhören zu essen  Ekle mich vor mir selbst  Meine Haut ist die eines Teenagers  Ich habe ständig Angst  Oder ich weine  Wie lange soll das noch so weiter gehen?  Wie war das doch gleich?  Mit dem Licht am Ende des Tunnels?

Constrictor

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Sonntagsgedanken Ich wache mit einem komischen Druckgefühl in der linken Brust auf und denke sofort, dass was nicht in Ordnung ist. Vielleicht ist es das auch nicht. Wer weiß? Bin ja kein Arzt. Bekomm’ es auch nicht raus, selbst wenn ich wollte. Wie denn? Das ist die Ungewissheit eines zum Tode Verurteilten. So geht’s mir jeden Tag. Was soll ich machen? Die Macht über mein Leben liegt nicht mehr in meiner Hand.  Der nächste Gedanke im Anschluss ist immer derselbe: Schreiben! Schnell den Roman aufmachen und weiterschreiben, egal wie viel Uhr es ist oder was sonst ansteht. Panik! Was, wenn das ganze Gelaber vom Freitag, von wegen 34+ Monate und schöne Monate dazu, relativ schmerzfrei und gefüllt mit Lebensfreude, nur leeres Gerede war. Am Ende bleiben mir vielleicht doch nur ein paar Monate und dann fängt der Verfall an. Doch Chemo, Bestrahlung, Morphium und der ganze Schlamassel?! Scheiße, ich muss schreiben. Keine Zeit zu verlieren. Das ist mein Headfuck, every day.  Willkomm...