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Es werden Posts vom Januar, 2025 angezeigt.

Frankenstein, Freud und übernatürliche Weltenlenker

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Dass ich an keine übernatürlichen Weltenlenker glaube, habe ich bereits zur Genüge etabliert. Dass ich kein großer Fan der Medizin bin, hatte ich auch bereits erwähnt. Letzteres möchte ich revidieren oder vielmehr präzisieren. Es geht mir speziell um die zwischenmenschliche Komponente bei Ärzt:innen, die mir meist fehlt. Als würde der Selbstschutz die Empathiefähigkeit intrinsisch ausschließen. Vielleicht ist es auch so. Ich weiß es nicht. Bin weder Psychologe noch Soziologe. Ich habe im Hörbuch von Rutger Bregmans Im Grunde Gut (oder war es bei Yuval Noah Hararis Sapiens ?!) gehört, dass der Mensch nur für maximal 150 Menschen wirklich Empathie aufbringen kann. Vielleicht muss sich der Mediziner also auf seine fachliche Kompetenz versteifen, um beruflich wie psychisch zu überleben. Daher wirken sie auf mich immer ein wenig wie Dr. Frankensteins: unbeholfen im sozialen Miteinander, latent abwesend, überfordert, aber dennoch völlig vernarrt in ihre Materie. So sehr, dass sie die Patien...

Reborn

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(2005) Ich hack jetzt hier alles einfach so rein, wie es mir in den Kopf kommt. Ich hatte heute eine Art Offenbarung. Ich kann nicht verstehen, was passiert ist. Aber die Nachricht in der Klinik hat mich umgehauen. Natürlich ist die Wahrscheinlichkeit, dass ich sterben werde, immer noch offiziell bei 100%. Da geht kein Weg dran vorbei. Aber man hat mir heute gesagt, dass man in der Onkologie normalerweise immer von folgender Faustregel ausgegangen ist: innerhalb von einem Jahr ist der Patient mit Lungenkrebs tot.  Dann gab es einen Durchbruch in der Krebsforschung. Es wurden Wirkstoffe namens Crizotinib (Xalkori), Ceritinib (Zykadia) und Alectinib (Alecensa) zur Behandlung von ALK-positivem nicht-kleinzelligem Lungenkrebs (NSCLC) eingesetzt. Die Statistiken ergaben beim ersten schon 1-2 Jahre und bei den anderen beiden bei 70% der Patienten zwei Jahre.  Und dann kam meine Wunderpille Lorlatinib und da liegt die Lebenserwartung bei 90% und 34 Monaten. Und ich gehöre wohl mit me...

Onko-Love

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Neulich war ich zum ersten Mal bei der Berliner Krebsgesellschaft. Das ist ein Verein für alle wie mich. Natürlich in verschiedenen Abstufungen, also von Leuten, bei denen man die mutierten Arschlöcher frühzeitig entdeckt hat, bis zu denen in der Todeszelle. Da arbeiten dann sogenannte Psycho-Onkologinnen und Sozialarbeiterinnen, die einem dabei helfen, Bürgergeld und einen Schwerbehindertenausweis zu beantragen und sich für eine Selbsthilfegruppe oder Vorträge anzumelden.  Ich empfand Frau L als hilfsbereit, kompetent und empathisch. Eine Stunde später habe ich mich nicht mehr so hilflos und allein gefühlt. Ich weiß jetzt, dass ich nicht verhungern werde und dass das Sozialsystem mich irgendwie auffängt. In dem Gespräch ging es aber nicht nur um Praktisches, sondern auch um die Dinge, die die Medizinerinnen nicht beantworten können.  Beispiel Sex Medizinisch gesehen ist es nicht bedenklich, wenn ich joggen gehe. Aber kann ich noch Sex haben? Die Frage können mir nur meine unt...

Hilfe erwünscht - support me!

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Alles ist relativ, auch das Hilfsangebot Viele Leute bieten mir seit Wochen Hilfe an, vom offenen Ohr bis hin zu finanzieller Unterstützung, weil ich höchstwahrscheinlich nicht mehr arbeiten kann, zumindest nicht mehr regulär als DaF-Lehrer. Klar, ich schreibe mehr als je zuvor, aber solange man dafür kaum Geld bekommt, gilt man hierzulande als Schmarotzer. Fairnesshalber muss gesagt werden, dass die Krankheit dieses Image drastisch mildert. Grundsätzlich gilt jedoch die goldene Faustregel: Solange man etwas macht, egal wie leidenschaftlich und gut, ohne damit den Lebensunterhalt zu verdienen, bleibt es immer nur ein Hobby (oder ehrenamtliche Arbeit). So ist die Sichtweise in Deutschland.  Das ist ein Trauerspiel für alle da draußen, die gerne kreativ sind. Die lieber kreativ sind, als ihrer Arbeit nachzugehen – auch wenn die noch so lukrativ und nicht wirklich schlimm ist. Aber eben nicht so erfüllend wie die kreative Leidenschaft, die sie tagtäglich antreibt. Und genau deshalb wi...

Endstadium

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Ich habe in den letzten Tagen verwirrende und teilweise aufwühlende Nachrichten erhalten. Nach längerer Reflexion bin ich zu dem Schluss gekommen, dass es eventuell Missverständnisse geben könnte, die ich hiermit gern aus dem Weg räumen möchte. Ja, es geht mir ein wenig besser. Ich kann wieder normal sehen, kann sogar laufen gehen, meinen Haushalt allein erledigen und lesen. Ich schreibe auch so viel ich kann u.v.m. Wie geht das? Seitdem ich dieses Wunder der Medizin nehme – eine Tablette Lorviqua 100mg – bilden sich keine neuen Metastasen mehr. Das Mittel hemmt die Motherfuckers, während das Kortison (Dexamethason 8mg) den Tumor in meinem Kopf schrumpft, sodass die Einschränkung meines Sichtfelds verschwindet. So lange das passiert, geht es mir relativ gut und ich habe ein wenig Lebensqualität zurückgewonnen. Der Preis bisher Ich habe einen schmerzhaften Blähbauch, der zu explodieren droht, kann keinen Kaffee trinken und weine im Schnitt zweimal pro Stunde. Ich habe Herzrasen,...

God’s not dead, God has never been.

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Heute denke ich an meinen Vater, der eventuell unters Messer kommt, je nachdem ob der Tumor in seinem Kopf auch seinen Ursprung woanders hatte oder nicht. Er ist jetzt irgendwo in Darmstadt mit meinem Bruder – ich wünsche ihm alles Gute! So oder so, we’re all fucked. Meine Familie meine ich. Wie kann das sein? God’s not dead, God has never been!  (Untersteht euch für mich und meine Familie zu beten! Mögt ihr alle in eurer eigenen Hölle schmoren!) G.

Eine Kluft tut sich auf

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Ich war neulich bei Freunden. Im Vorfeld hatte ich Angst. Aber ich wollte mich darauf freuen, denn mit ihnen hatte ich immer schöne Momente verlebt. Nach dem Besuch hat mich die Dunkelheit umhüllt. Ich weinte, während ich diese Zeilen schrieb. Die Kranhkeit hat die Brücke zerbombt, eine Kluft hat sich aufgetan. Der Abgrund ist tief.  Sobald man weiß, dass man keine Chance mehr hat zu überleben, ist diese Gewissheit für einen omnipräsent. Alle Gedanken kreisen nur noch darum. Alle bisherigen Gemeinsamkeiten werden neu gedacht. Mein jetziges Leben ist wie eine Reise durch einen Tunnel, der kein Ende hat, an dem es kein Licht gibt. Jeden Abend frage ich mich, ob ich am nächsten Tag aufwachen werde. Wenn ich wenigstens die Gewissheit hätte, noch über sagen wir mal 400 Tage zu verfügen und die in absoluter Gesundheit, dann könnte ich sie voll ausschöpfen und versuchen zu genießen. Aber die Schmerzen, die Unsicherheit, die eingeschränkten Lebensbedinungen, die Ängste – all die unbekannte...

Mission erfüllt: Küche wieder hergestellt!

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Danke, Anett! Danke, Nathanael! Ihr habt meinen inneren Frieden wieder zurechtgerückt! Sieht echt schön aus. Bei dem schönen Wetter heute war ich auch im Volkspark laufen. Zwar nur eine kleinere Runde als sonst und eher lahm als sportlich, aber immerhin. Laut Aussage meiner Onkologin sei das medizinisch nicht bedenklich. Na dann vertrauen wir ihr mal – trotz des vergessenen EKGs vor Beginn der Tablettentherapie! Was sich beim Laufen komisch anfühlt, sind folgende zwei Dinge: 1. Ich weiß nicht so recht, was das mit den Herzrhythmusstörungen auf sich hat. Ich zittere von den Medikamenten sowieso schon und der Blutdruck ist zu hoch, aber lieber nicht nachfragen, sonst muss ich am Ende wieder aufhören zu laufen. Das wäre nicht gut, da ich das sowieso nur für meine "mental health" mache (der Körper ist ja schon über den Jordan - der ist nicht mehr zu retten!). Das bringt uns zu Punkt zwei. 2. Die Wampe: Beim Laufen muss ich plötzlich so einen ungekannten Bauch mit mir rumschleppen...

The Blog’s Blinking Bleak

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„Indirekt sind die Wirkungen, nicht direkt“

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Gestern hatte ich meinen ersten guten Tag seit RESET. So nenne ich den Tag vor exakt 37 Tagen, als ich erfuhr, dass ich unheilbar krank bin. Gut war der gestrige Tag, weil ich durch das Medikament, dass ich wiederum seit Samstag nehme, allmählich wieder Kontrolle über mein Leben erlange. Das Lorviqua ist potent, ein so mächtiges Mittel, in der Lage den Tumor im Hirn, das daneben liegende Ödem, die Metastasen und auch den Krebs in der Lunge gleichzeitig zu bekämpfen, wenn ich die Aussagen der Ärztinnen richtig verstanden habe. Und es tut seinen Job verdammt gut. Ich sehe wieder viel mehr, mein linkes Sichtfeld kommt zurück. Ich habe viel weniger Kopfschmerzen – ich bin runter von fünf auf ein bis zwei Schmerztabletten pro Tag. Ich konnte mir der U5 fahren, die voller Menschen war, und eine Pfanne im Kaufland kaufen, ohne Panik zu verspüren. Auch bin ich anschließend die ganze Strecke problemlos zurückgelaufen. Ich hatte nicht den Eindruck, dass Menschen mich ständig beobachten und ich w...

Gestern ist nicht mehr heute

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Gestern schrieb ich den ganzen Tag an einem Blogeintrag mit dem Ziel, nicht mehr alles so düster wirken zu lassen. Denn immerhin geht für alle anderen das Leben normal weiter. Also erzählte ich eine Anekdote aus meiner Zeit in Australien, als mein Freund Matze und ich 2005 auf einem Fischerboot in Broome unterwegs waren. Letztlich konnte ich ihn nicht posten – es fühlte sich falsch an. Gefühlt ist nichts mehr da. Gestern ist nicht mehr heute. Am Ende blieb nur noch der kurze Dialog mit einem der Fischer übrig, der uns einen Katzenhai zeigte, nachdem er ihn aus dem Netz befreit und wieder ins Wasser zurück geworfen hatte. “How deep’s the water here?“ fragte ich ihn. “Half a meter, more or less.” “And there are sharks in this shallow water? I can see the beach from here. Wouldn’t there be sharks at the beach too?” fragte ich ihn. “Sure, mate. There’s sharks everywhere.” “But aren’t you scared?” “Why? If your time’s up, mate, your time’s up.“ Schon wieder düster. Das geht aber nicht...

Nachtgedanken

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  Ich liege mal wieder im Bett und kann nicht schlafen. Passiert mir öfter in letzter Zeit. Bei all den Medikamenten haben die Ärztinnen versäumt, mir ordentliche Schlafmittel zu geben. Und Melatonin ist in meinem Fall so effizient wie ein Staubsauger bei Fußpilz. Mein Hirn rattert ununterbrochen. Das liegt unter anderem daran, dass sich der Tumor gerade mit allen Kräften gegen das Monstermedikament wehrt. Ist also eigentlich ein gutes Zeichen. Kein Fachwissen, nur ein Gefühl. Das spüre ich. Also denke ich nach. Und wie das so ist mit Gedanken, aber noch viel mehr mit Gefühlen – die sind nicht immer fair. Beispiele: Ich habe Freunde, die lesen meinen Blog nicht. Zieht sie zu sehr runter. Können sie nicht mit umgehen. Dieses ständige Gelaber vom Tod. Kann ich verstehen. Es trifft mich trotzdem. Vielleicht später mal, sagen sie. (Wann? Wenn ich nicht mehr bin?) Sie gehen lieber ins Fitnessstudio. Coping mechanism , würde mein Therapeut Dalibor sagen. Würde ich auch lieber machen. Spo...

Alles durchwachsen

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Ich weine. Wegen der Medikamente. Nebenwirkungen: Starke Stimmungsschwankungen. Mama weint. Weil sie Palliativmedizin nicht verstehen kann: „Ma ci deve essere speranza!“

Some random thoughts

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Manche Leute stellen mir Fragen, die ich nicht wirklich beantworten kann, weil sie rhetorischer Natur sind oder weil sie aus Übersprungshandlungen heraus entstehen, z.B. ob ich nicht nochmal saufen gehen möchte, bevor es losgeht, mit welchen Therapien auch immer. Mal davon abgesehen, dass es nicht ratsam ist, bei der heftigen Medikamentierung Alkohol zu trinken (aber das allein wäre kein Grund, denn wer mich kennt, weiß, dass ich nie von der Vernunft geleitet wurde. Ganz im Gegenteil, vernünftiges Verhalten hat mich immer abgestoßen – im Herzen bin ich nunmal Punk, ein Rebel, wenn es sein muss, auch gegen mich selbst gewandt!). Aber ich kriege schon von der Vorstellung zusätzliche Kopfschmerzen, die mich zurzeit permanent in Schach halten. Ich kann also keinen auf Charles Bukowski machen. Ich brauche jede Unze Kraft, um den Roman fertigzustellen. Übrigens: für die, die es interessiert – ich komme ganz gut voran. An guten Tagen schaffe ich zwei Seiten, an weniger guten eine halbe. Ande...

Aus dem Kellerloch!

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Ich habe die halbe Nacht mit Bauch- und Kopfschmerzen wachgelegen. Erst nach einer weiteren Ladung Schmerz- und Schlafmittel gelang es mir wieder einzuschlafen. Ich bin in einer dunklen Wolke aufgewacht und schaffe es nicht, daraus hervorzukriechen. Ich versuche seither zu analysieren, woran es liegen könnte. Ich denke, ich kann nicht nüchtern über meine Situation reden, als wäre es der Tod eines anderen. Noch bin ich nicht so weit. Ich mache mir nur etwas vor, wenn ich so darüber rede. Mir ist aufgefallen, dass ich die Medizin von allen Disziplinen am widerlichsten finde. Ich bin froh, dass ich keine engen Freunde in dem Bereich habe und niemals etwas mit einer Medizinerin hatte. Die Vorstellung ruft Ekel in mir hervor. Auch ist das Reden und Organisieren meiner Finanzen und Fragen zu Krankenversicherung sehr schlimm für mich. Es hat was von Verwalten und Verwalten finde ich noch abartiger als die Medizin. Es erinnert mich an die Effizienz, mit der man Vergasten ihre Wertsachen abnahm...

Once antifascista, always antifascista, even with death knocking on my door!

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May Putin die! May the orange-faced twat die and the tech-billionaire cocksucker alongside him. Whenever I hear about the death of one of those evil motherfuckers, I will dance and celebrate in the rain until they bring me to the hospital. This is no incitement to violence. This is just my form of prayer to the heathen gods for poetic justice! Let the peoples of the world be free of ll-intended demagogues! Aber ich wollte noch etwas anderes sagen. Gestern vergoss ich Tränen im Besprechungsraum der unterkühlten Medizinerin, weil moderne Technologien mir vielleicht ein paar Jahre schenken. Heute vergoss ich wieder mal so manche Träne wegen der Liebe all meiner Freund:innen. Danke, Attty, für das T-Shirt. Danke Anett dafür, dass du du dich meiner Küche annimmst. Danke auch an alle anderen für die Übernachtungen, für das leckere Essen, das ihr mir alle kocht.

Vorläufige Absage an Walter White’s Chemistry Lab und Tschernobyl

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  Inmitten der schlechten Nachrichten der letzten Wochen gab es heute einen kleinen Hoffnungsschimmer. Nein, die Prognose, dass ich sterben werde, hat sich nicht geändert. Das wäre auch zu viel verlangt. Aber die Ergebnisse der Pathologie sind eingetroffen. Und waren erstaunlicherweise positiv, wenn man optimistisch sein möchte. Ich habe vor Erleichterung geweint, als ich im Zimmer der Onkologin saß, als sie mir folgendes erläuterte: die molekulare Biopsie ergab, dass meine Form des Lungenkrebses eine Mutation ist, die man medikamentös behandeln kann. Somit bekomme ich von morgen an Tabletten, die selbstverständlich auch krasse Nebenwirkungen haben können. Aber wenn ich die Infos einigermaßen richtig verstanden habe in meiner eingeschränkten Wahrnehmung, kann ich ein paar Jahre länger dadurch leben. Und ich brauche erstmal weder Bestrahlung noch eine Chemotherapie. Ich hatte solche Angst vor Little Boy, den sie bereits gestern auf mein Hirn abfeuern wollten. Stellt euch vor, Hiros...

Hospital Food

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Nachtrag: Ich habe mich geirrt - es war nicht die Krankenversicherung - es ist das Krankenhaus, das für jeden Tag eine Pauschale von 10 Euro berechnet, die man zuzahlen muss. Bei fünf Tagen fallen also 50 Euro an. Wenn ihr euch die Fotos anschaut, könnt ihr euch vorstellen, wie zynisch das wirkt. Es ist absolut wahr und kein Klischee, wenn behauptet wird, dass das Essen im Krankenhaus nicht schlechter sein kann. Daher wirkt die Zuzahlung wie eine sadistische Ohrfeige.   Aber wenn man mal an meinem Punkt im Leben angelangt ist, spielt Geld keine Rolle mehr. Es geht nur noch um schmerzfreie Momente und das bisschen Zeit, das man sich kauft oder geschenkt bekommt, um seine Arbeit zu beenden. A propos Arbeit: ich liebe es zu arbeiten und habe es immer getan. Damit meine ich nicht pauschal jede Arbeit. Es wäre vermessen und anmaßend Menschen gegenüber zu behaupten, dass Arbeit grundsätzlich geil ist, wenn sie tagein tagaus furchtbare Tätigkeiten ausführen müssen – to make ends meet. In ...

My kitchen is killing me!

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  How bizarre! Wer hätte das gedacht? Und dabei geht es nicht um einen Unfall im Haushalt, von denen man allzu oft hört oder liest. Der emotionale Stress bereitet mir massive Kopfschmerzen. Sie sind so stark, dass ich derzeit nur zwei Dinge machen kann: essen und schlafen, damit das Novaminsulfon wirkt. Ich habe das Gefühl zu spüren, wie der Tumor in meinem Hirn versucht, mich hinzurichten. The fucker won’t give me a break. It’s as if he doesn’t want me to finish my novel. Ich kann kaum schreiben, weil sich die Wahrnehmung immer weiter verschiebt, also nicht nur die Sicht, sondern die räumliche und gedankliche, auch wenn ich die Augen geschlossen halte. Es fühlt sich so an, als würde ich denken und sehen wie in kubistischen Bildern Picassos. Hinzu kommen Briefe von meiner Krankenversicherung, die ihren Teil dazu beitragen. Sie wollen eine Zuzahlung über 50 Euro von mir für meinen Krankenhausaufenthalt, da ich wegen der Schmerzen dort bleiben musste. Es geht also nicht um die hor...

Home Sweet Home

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  Heute war ein furchtbar anstrengender Tag. Ich durfte endlich wieder in meine Wohnung zurück, worüber ich grundsätzlich sehr glücklich war. Aber der Untermieter hatte sie in einem solch erbärmlichen Zustand hinterlassen, dass ich mich vor meinen eigenen vier Wänden ekelte. Nicht nur war das Bad widerlich, das Klo voller Kackspuren. Auch die Arbeitsplatte in der Küche ist voller Schimmel und die Spüle hat es um mehrere Zentimeter nach oben gedrückt, weil die Dichtungsmasse vom Wasser aufgequillt war. Dreizehn Jahre lebte ich hier ohne Probleme. Innerhalb von zwei Monaten Untermiete ist die Küche verkommen. Zu guter Letzt ist die Reinigungskraft nicht aufgetaucht, weshalb ich in meinem körperlichen Zustand und mit Dimas Hilfe die Wohnung selbst putzen musste. Nun spüre ich das Karzinom zum ersten Mal in meiner Lunge, nicht nur die Walnuss in meinem Hirn. Ob es das ist, was die Onkologinnen gestern meinten, als sie sagten, ich müsse insbesondere versuchen, emotionalen Stress zu ver...

Vito: „Was ich in den letzten Wochen gelernt habe, ist, dass Hoffnung ein ganz großes Arschloch ist.“

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  I love you, my brother! Danke! Und wer denkt, dies sei ironisch gemeint, hat mich nie gekannt oder verstanden. Ehrlichkeit tut mir gut. Damit kann ich mehr anfangen, als mich falschen Illusionen hinzugeben. Nach dem heutigen Gespräch in der Onkologie habe ich vieles über mich gelernt. Es gibt Leute, die machen sich gern etwas vor. Selbstbetrug ist ein mächtiges Tool für den Großteil unserer Welt. Aber ich habe keine Kraft für sowas. Ich möchte lieber die Zeit nutzen und das beste daraus machen. Ich arbeite lieber so viel ich kann, um meine angefangenen Werke zu beenden, solange die Schmerzen bzw. Erschöpfungserscheinungen es zulassen. So viel für heute von mir aus der Kommandozentrale Friedrichshain.

Medizinische Hilfsangebote und Durchhalteparolen

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Ich möchte diesen Blog auch heute wieder dafür nutzen, mit euch zu kommunizieren, die mir seit der Öffentlichmachung meiner Krankheit Nachrichten schicken und mir viel Kraft wünschen, Angebote unterbreiten, medizinische Kontakte zu Experten herzustellen und mich mit diesem Fachwissen zu unterstützen. Auch wenn die Angebote gut gemeint sind, tun sie mir nicht gut. Sie setzen mich unter Druck und belasten mich. Noch mehr belasten mich die Aufforderungen, positiv zu denken, optimistisch zu bleiben und ums Überleben zu kämpfen. Ich weiß eure Anteilnahme zu schätzen und verstehe sehr wohl, dass ihr genauso überfordert seid wie ich in dieser neuen Situation. Ihr wollt sicherlich für mich da sein, fühlt euch aber hilflos. Dazu folgender Gedanke: Ich bin kein Optimist und war es auch nie. Wenn ich diese Krankheit überleben sollte, dann auf meine Art und Weise, nicht indem ich auf einmal so werde, wie ihr es gerne hättet oder eurem Verständnis entspricht. Daher werde ich auf eure Hilfsangebote,...

Wie geht’s?

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Mit dieser Frage sehe ich mich in letzter Zeit immer häufiger konfrontiert, sei es mit dem Zusatz (Ihnen), dann stammt er meist von Ärzt:innen oder sonstigem Krankenhauspersonal und bezieht sich natürlich auf meinen akuten Zustand. Zuletzt erging es mir so am Freitag, als ich zu einem Termin in der Pneumologie des Vivantes Klinikums im Friedrichshain erschien. Was die Alma Mater für den Akademiker, ist diese Station für den lungenkarzinomverseuchten Krebspatienten. Natürlich gehören auch noch weitere Abteilungen zu meinem neuen Alltag: die Onkologie und die MVZ, wo es schon bald losgehen wird mit täglichen Ladungen Strahlungen, zuerst auf meine betroffenen Hirnregionen, anschließend wird dann Jagd auf die restlichen Motherfuckers in der Lunge, in Lymphknoten etc. gemacht. Zurück zu vorgestern: eigentlich sollte ich also erfahren und besprechen, was die Bronchialbiopsie vom 2. Januar ergeben hat (dabei wurde mir unter Narkose eine endoskopische Sonde durch den Mund bis zur Lunge geführt...

Gott und alternative Medizin

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Heute möchte ich euch meine Gedanken über Gott mitteilen. Für mich hat er noch nie existiert und er wird es auch nie. Jede:r kann tun und lassen, was er/sie will, aber ich möchte nichts damit zu tun haben. Es gibt Menschen, die mich gefragt haben, ob ich in solch einer existentiellen Situation vielleicht doch Halt bei Gott suchen möchte. Diese Frage kann ich hiermit ein für alle Mal für alle beantworten. Ich halte es da wie mit der Frage nach der Theodizee: Die Theodizee versucht, das Leid in der Welt mit der Existenz eines allmächtigen, gütigen Gottes zu vereinbaren, und bleibt dabei eine der tiefsten Herausforderungen des Glaubens.“ – „Wie kann ein guter Gott das Böse und das Leid in der Welt zulassen?“ – ist eine zentrale philosophische und theologische Problematik, die seit Jahrhunderten diskutiert wird. Wenn Gott existieren würde, wäre er/es ein sadistisches Schwein. Wenn er also existiert, hoffe ich, dass er den ganzen Tag lang von Luzifers Gang in Dantes Inferno vergewaltigt wir...

Hannibal Lecter und Francine

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  Gestern war ich im MVZ, Zentrum für Strahlentherapie im Vivantes Klinikum Friedrichshain. Eine sehöne Frau mit toller Stimme (I've always been a sucker for great voices - das war immer mein Traum - eines Tages mit einer Frau zusammen zu leben, deren Stimme wie Balsam für mein Wesen ist!) legte eine Knetmasse, die nach Brotteig roch, auf mein Gesicht, bevor sie mich in die CT-Röhre schob. Das soll zur Vorbereitung dienen, wenn es nächste Woche mit der Bestrahlung meines HIrns losgeht. Massive Ladungen werden auf meinen besten Freund abgefeuert, um den Haupttumor, der in meinem Hirn sein Unwesen treibt, zu beseitigen oder wenigstens zu reduzieren. Auch dem Ödem, das auf meinen Sehnerv drückt, weshalb ich nicht mehr richtig sehen kann und die ganzen Rechtschreib- und sonstigen Fehler hier leider nicht vermeiden kann, soll der Garaus gemacht werden. Was die Kollateralschäden anbelangt - it's freaking me out. Ich habe echt Panik davor. Was, wenn viel mehr vernichtet wird als nur n...

New Life

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Ich weine ständig. Was mich am meisten triggert, sind Kinder. Die Kinder meiner Freunde. Wenn ich Bilder oder Videos von ihnen sehe, bricht alles über mir zusammen. Dann wird mir bewusst, dass ich sie nicht mehr aufwachsen sehen werde. Vinz und Luise von meinem Freund Philipp. Paul von Daniel und Connie. Mila und Pau von Maria uvm. Auch die zukünftigen Kinder meiner Nichte Lilaina und meinem Neffen Julian werde ich nie kennenlernen. Und die erst kürzlich geborenen Kinder: Piet von Julian und Caro. Und Atticus von Jonny und Vanessa, meine australischen Freunde in Berlin. Australien triggert mich auch immer. Meine Zeit dort verbinde ich mit einer der schönsten, weil relativ sorglosen Phasen meines Lebens. Damals war ich voller Lebensenergie und wollte noch metaphorisch die Welt erobern. Vielleicht sollte Australien ei nen eigenen Blogeintrag bekommen.

Wolfgang Herrndorf

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Für Literaturbegeisterte und Wolfgang Herrndorf-Fans fühlt sich dieser Blog vielleicht an wie Arbeit und Struktur all over again. Dieser Blog soll kein Plagiat oder Abklatsch sein. Zum einen habe ich kein Glioblastom. Zum anderen würde ich mein Schreiben niemals mit dem von Wolfgang vergleichen. Er war ein ganz Großer, der mich stark beeinflusst hat. Aber so gut wie er war ich nie und werde es auch nicht mehr. Spannend ist jedoch, dass ich anfänglich auf derselben Station wie er lag: in der Neurochirurgie vom Vivantes Klinikum im Friedrichshain. Und meine Stationsschwester kannte ihn, weil sie sich damals auch um ihn gekümmert hatte. Ein trauriger Zufall, der mir dennoch ein wenig Kraft spendete. Obwohl ich Wolfang nicht kannte, habe ich es mir immer gewünscht. Als ich damals Arbeit und Struktur las, musste ich ständig weinen. Wegen des Inhalts, aber auch wegen der Worte, die er wählte, um seinen Gefühlen Ausdruck zu verleihen. Seither fahre ich jedes Jahr am 26. August zu seinem Gra...

All of a sudden

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Alles begann im Grunde genommen am 15. November 2024. Bis dahin lebte ich ein normales Leben wie die meisten. Okay, ich habe mein Geld freiberuflich verdient, also nicht wie die meisten in diesem Land. Aber ansonsten habe ich Dinge gemacht wie alle anderen auch. Ich stehe auf, trinke Kaffee und schreibe währenddessen meine Morning Pages. Ich kaufe ein, koche, esse, dusche, scheiße und gehe jeden zweiten Tag laufen, hinterm Haus zurerst durch den Friedhof zum Volkspark Friedrichshain, wo ich eine Runde drehe und mich verausgabe. Klar fühlt es sich gut an, den Körper zu fordern, zu trainieren. Aber eigentlich mache ich das für meinen Kopf. Ihn freizublasen ist das primäre Ziel. Laufen ist die perfekte Medizin für jeden, der dazu neigt, zu grübeln, Trübsal zu blasen, wenn gesunde Selbstreflexion umkippt und in den Bereich "too much" abdriftet.  Im September hatte ich die Idee, in Italien zu überwintern statt im grauen Berlin wie sonst. Seit 2008 lebe ich nun in dieser Stadt und ...