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Thrombus Katakombus

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Meine Onkologin des Todes lobt jedes Mal, dass ich gut auf meinen Körper hören würde, genau wüsste, wie er tickt. Ich kann ihr nicht ganz recht geben. Wenn ich ihn wirklich so gut kennen würde, hätte ich wahrscheinlich früher gemerkt, was sich in meiner Lunge abspielt. Zumindest bevor die mutierten Zellen sich in den Lymphen breitmachen und ins Hirn vordringen. Auf der anderen Seite – wer weiß, ob man solche Veränderungen überhaupt spüren kann. Intravaskuläre Rückenschmerzen Wie dem auch sei, ich gebe ihr insofern recht, wenn es um Dinge geht, die man spüren kann. Ein komisches Zwirpen in meinen Beinen ist meist ein Symptom für Ausstrahlungen aus meinem Rücken. Entweder wir sprechen hier von Ischias oder ISG (Iliosakralgelenk). Mal bitzelt es in den Fußspitzen, mal sind die Fingerspitzen ein wenig taub. Im Gegensatz zum Krebs ist das Ringelpiez. Die Probleme hatte ich natürlich schon vorher, kennen die meisten Menschen in meinem Alter, die viel sitzen – so wie ich gerade. Aber die Sym...

Apixaban

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Treffen sich drei Freunde abends in der Kneipe. Fragt der eine: „Und, was habt ihr am Wochenende gemacht?“ Sagt der andere: „Ich war mit meiner Frau und den Kindern im Wald spazieren, danach gab’s Eis. Und du?“ „Ich war mit meiner Freundin übers Wochenende im Thüringer Wald. Hab mir ’ne neue SLR gekauft. Wollte ich ausprobieren. Und du?“ Dabei schaut er abwechselnd vom Blähbauch in die Pickelfresse und zurück. „Ich war in der Rettungsstelle.“ „Immer die gleiche Leier mit dir. Was war’s diesmal?“ „Thrombose.“ „Wie lange warten?“ „Vier Stunden.“ „Nur? Langweilig!“ So oder so ähnlich hätte es stattfinden können – hat es aber nicht. Das Gespräch meine ich. Das mit der Rettungsstelle stimmt. Ich bin genervt. Ich habe schlechte Laune. Ich habe Kopfschmerzen, die Erkältung klingt nur langsam ab. Mein Kumpel D. sitzt jetzt ebenfalls mit Erkältungssymptomen in Valencia und steckt seine Freundin an, die einen Tag nach meiner Abreise ankam. Staffellauf! Das habt ihr davon, wenn ihr euch...

Merkwürdig

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Mist! Fuck! Verdammte Scheiße! Es ist doch passiert, was ich unbedingt vermeiden wollte. 98 Tage nach meiner Diagnose habe ich mich erkältet. Wahrscheinlich im Flugzeug angesteckt, wer weiß. Ob es zum Tod führen wird? Kann sein. Gilt jetzt abzuwarten. Mir geht's nicht gut, aber ich habe kein Fieber. Solange ich kein Fieber habe, mache ich die Pferde nicht scheu und fliege erst wie geplant morgen zurück. Freitag steht wieder mein turnusmäßiger Termin bei der Onkologin des Todes an. Entweder gibt's richtig Schelle, weil ich mich nicht wie ausgemacht beim ersten Anzeichen eines Infekts im Krankenhaus eingefunden habe. Oder sie sagt, es sei halb so schlimm. Wird sich zeigen! Als ich dort anrief, ging die Vertretung dran. Mantraartig sagte er dasselbe wie immer. Solange ich kein Fieber habe... Aber ich möchte euch von meiner Erfahrung am Montag mit meinem Freund D., mit Y. und seiner Frau J. erzählen. D. und ich wurden eingeladen. Wir waren im renommierten Michelin-Sterne-Restaurant...

Übersättigt!

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Gambas, atún, pimientos de Padrón, Bravas, tortilla y arroces de montón. Calamar hasta la muerte, Un día me basta, no quiero ser tragón. Garnelen, Thunfisch, Pimientos de Padrón, Kartoffeln, Tortilla und Reisgerichtemarathon, Tintenfisch bis in den Tod, Ein Tag genügt, bin kein Gluton.   Offensichtlich verlustiert Victor Biolek  

Der Nachtisch war das Beste!

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Ich liege im Bett in Valencia und huste. Und habe Angst deswegen. Seit ein paar Tagen zicken meine Bronchien immer mehr. Sie jammern und beschweren sich – ich weiß nicht, ob wegen der korrumpierten Zellen oder einer nahenden Erkältung. Wie soll man sowas wissen? Bin ja kein Mediziner. Der nächste Termin bei meinen Moiren, Klotho und Lachesis, den Wächterinnen über Leben und Tod, ist erst am Freitag – also am Tag nach meiner Rückkehr. Bis dahin muss ich durchhalten. Nun bin ich hier in Valencia bei meinem Freund D. und freue mich darüber. Zum einen, weil ich ihn seit zwei Monaten nicht mehr gesehen habe und er mir gefehlt hat – er bringt mich zum Lachen wie kaum ein anderer und lenkt mich wunderbar ab. Zum anderen, weil ich zum ersten Mal raus bin aus Deutschland seit dem Reset. Das letzte Mal war ich hier im Jahr 2000, also vor genau 25 Jahren. Und so wie sich meine Bronchien anfühlen, wird es das letzte Mal sein. Damals war ich mit P. hier. Der hat ein viel besseres Gedächtnis als ich...

Auch wenn ich nichts produziere

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In der psychoonkologischen Beratungsstelle der Berliner Krebsgesellschaft hatte ich gestern einen Termin. Mit einer Frau F. Nett war sie und äußerst kompetent – zumindest hatte ich den Eindruck. Das Gespräch gefiel mir. Wir redeten über dies und das: über meine Situation, darüber, was meinen Seelenfrieden ins Wanken gebracht hat, und darüber, was mir hilft, emotional zu überleben. Als es ums Schreiben ging, sagte ich, dass meine Situation sich verändert habe. Früher, wenn ich mal einen Tag nicht schrieb, weil ich unterrichtete, hatte ich nicht das Gefühl, „faul“ oder „unproduktiv“ zu sein. Schließlich hatte ich unterrichtet – Menschen etwas beigebracht, ihnen beim Erlernen von Deutsch geholfen. Und nebenbei meinen Lebensunterhalt verdient. Nun ist das anders. Jetzt schreibe ich. Punkt. Ich vermisse meinen Unterricht. Die Menschen, die Unterhaltungen, die Interaktion. Mir fehlt der Austausch, das gemeinsame Lachen, die Diskussionen, die Erfolgserlebnisse – wie auch die Versprecher, F...

Nachklapp

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„Siediti“ (Setz dich), sage ich und helfe ihm auf den Stuhl. „Non può mangiare. Deve essere digiuno per gli analisi del sangue! Solo bere, acqua o caffè, ma senza zucchero“ ( Er darf nichts essen. Er muss nüchtern bleiben für die Blutuntersuchung! Nur trinken, Wasser oder Kaffee, aber ohne Zucker ), ruft meine Mutter aus dem Bad. „Aspetta“, sage ich zu ihm. „Fammi finire questo, poi ti faccio un caffè.“ ( Warte, lass mich das hier fertig machen, dann mache ich dir einen Kaffee. ) Ich zerteile die Kiwi, lasse die Stücke in die Schüssel fallen. Ich schaue aus dem Fenster. Die Straße ruhig, das Licht trüb von Wolken. Ich denke an die Fahrt nach Berlin, an die Enge und die Menschen. Ob ich eine Maske tragen soll? Ich schiebe den Gedanken beiseite. Ich schneide blind die Banane in Scheiben, plumps plumps. Blick nach unten, buntes Allerlei. Ich drehe mich um, will nach der Müsli-Packung greifen. Da sehe ich, wie er sich eine getrocknete Pflaume aus der Tüte stibitzt hat. Sie sitzt zwisch...

Woodys Flixtrain-Neurotiker

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  Ich sitze im Flixtrain nach Berlin. Ich mochte den Flixtrain immer. Denn er ist billig. So billig, dass ihn vorzugsweise junge Menschen und Leute ohne Geld nehmen. Das macht ihn zur U-Bahn unter den Fernzügen, falls ihr versteht, was ich meine. Man trifft hier allerlei an. Das finde ich besser als die Geschäftsleute und Bahncard-Träger im ICE, die ihr Spießbürgertum mit sich führen. Natürlich hat der Flixtrain auch viele Nachteile, die der günstige Preis so mit sich bringt. Er fällt gelegentlich aus oder kommt zu spät, wobei letzteres nicht häufiger vorkommt als bei der Bahn (hab ich mir sagen lassen). Der Flixtrain hat definitiv weniger Platz—das Gepäck stapelt sich am Wagenende, die Handgepäckfächer platzen aus allen Nähten. Vier von fünf Toiletten sind defekt. Aber das Schlimmste ist die Luft. Die Fenster bleiben meistens zu und der Duft ist ein Potpourri aus Curry, Furz, Schweiß und Axe. Auch damit kann man lernen zu leben, wenn da nicht die Viren und Bakterien wären. Heute ...

Wilted, withered, faded …

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…maybe not the right words, but the first that come to mind. It’s not like we’ve ever really talked about things that mattered, but still—seeing him like this feels weird. I’m talking about my father—you might have guessed. I’ve been with my family for three days again, since my mom turned 80 yesterday. She doesn’t look it—especially compared to others her age. And considering everything she’s been through, physically and mentally, with my father’s illness and mine, she seems kind of invincible. The birthday dinner was low-key, which was nice. Good food and no distant relatives to make things awkward. My father is gradually recovering from his brain surgery. He’s gaining physical strength, eating again, and smiling—mostly thanks to the cortisone they’re giving him. But I dread the moment they start cutting it back, the withdrawal symptoms, and the possibility that his appetite might vanish again—like it did not too long ago. He’s always been a straight-up guy, always good for a laug...

Déjà-vu

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Heute gibt es keinen strukturierten Beitrag. In meinem Kopf herrscht Chaos. Deswegen bekommt ihr alles so, wie es mir in den Sinn kommt. Heute ging der Blog für eine Weile nicht. Mein Freund E. hat endlich meine Domain gekauft. Nun findet ihr den Blog auch unter victormancini.de . Da gibt's dann auch Links zu all meinem anderen kreativen Output. Geduld, Geduld, Leute. Meine Onkologin rief mich gestern an. Dr. V. Unter uns: Christina. War am Dienstag nicht in der Klinik, hat aber sofort meine panische Email gelesen, als sie reinkam – die, die ich ihr Dienstagmorgen geschickt hatte, nachdem ich Montagabend nicht mehr sitzen konnte wegen Atemnot. Musste mich langmachen, völlig ausstrecken und dazu zwingen, normal zu atmen. Auf den Bauch gelegt und eine Wärmflasche unter die rumorenden Bronchien geklemmt. Das half ein wenig. Gestern war’s dann schon wieder besser. Panik verflogen. Christina wollte trotzdem, dass ich mich sicherheitshalber durchchecken lasse: Blutwerte, EKG, Röntgenbild...

Es lohnt sich immer

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Die letzten Tage waren schön. Aber auch anstrengend. Zu anstrengend, sodass sich meine Lunge gestern Abend mit Drohgebärden beschwerte. Ich bin leider nicht besonders clever, kann nicht akzeptieren, dass an einem Tag nicht mehr so viel geht wie früher. Die Quitting kam, als ich mit Atemnot und brennenden Bronchien auf der Couch lag. Ich hatte solche Angst, dass ich ein paar Zeilen hinterließ, ehe ich schlafen ging, weil ich nicht mehr damit rechnete aufzuwachen. Heute morgen war es dann wieder ein wenig besser, aber noch lange nicht wieder gut. Ich kam mir lächerlich vor, als ich die Zeilen las, die ich geschrieben hatte. Wie ein Kind, das sich unnötig vor der Dunkelheit fürchtet. Aber es lohnt sich immer, das Leben zu riskieren, wenn es mit Kunst und Menschen zu tun hat . Wie am Samstag. Ich hatte Besuch. Mein alter Studienfreund M. war extra für mich aus Lüneburg angereist . Gemeinsam besuchten wir die Nan-Goldin-Ausstellung in der Neuen Nationalgalerie. Ich hätte lieber ihre Fotos ...

Mayflies

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In den letzten Wochen habe ich ein Buch für den Buchclub gelesen, dem ich seit Jahren angehöre. Soweit ich weiß, hat er keinen Namen. Wir sind zu siebt, ich der einzige Mann. Hat mich nie gestört, aber manchmal frage ich mich, ob es sie stört. Keine von ihnen hat mich je spüren lassen, nicht willkommen zu sein. Daher bin ich geblieben. Anyway, wir sprechen bei den Treffen Englisch. Alle Bücher müssen auf Englisch erhältlich sein, gelesen wird aber auch in anderen Sprachen. Die Initiatorin ist eine Franco-Kanadierin, dazu kommen eine Engländerin, eine Halbaustralierin, eine Französin, zwei Deutsche und ich. Altersmäßig ist die Jüngste so Ende zwanzig , wenn ich mich nicht irre, und ich vermutlich das Schlusslicht. Wir treffen uns ungefähr alle sechs Wochen – mal privat, mal im Café, im Sommer auch im Park. Bisher lasen wir thematisch. Wir schlugen Themen vor, wir wählten gemeinsam eines aus. Zum Beispiel: Workplace – Romane rund um den Job, Happiness, zeitgenössische griechische Lite...

Misère et Corsaire

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Ich bin frustriert. Alles nervt. Mein Bauch, meine Haut, mein Leben. Bauch: Die Methanmelone unter meinem T-Shirt bleibt stur, egal wie viel Lexaf ich kaue. Da keucht und qualmt es wie aus einer verstopften Blubberhookah. So viel zur Fitness. Jahrelang laufen gewesen – für die Katz. Haut: Stunden investiert (Telefonate, Klinik, Apotheken), um an ein popeliges Medikament zu kommen: Aknemycin. Wirkstoffe: Erythromycin und Tretinoin. Ein Antibiotikum gegen die Pickelpest. Eine „gebrauchsfertige Applikatorflasche“, mit der ich mir die Brühe auf Gesicht, Brust und Rücken pinseln soll. Nur komme ich nicht an meinen Rücken ran! Welcome to my life. Wenigstens kann ich mich jetzt ums Verkommene zwischen den Ohren und ums Dekolleté kümmern. Man muss die kleinen Siege feiern. Leben: Gestern war ich am Telefon mit einem Fuzzi von der Berliner Krebsgesellschaft, weil die Kollegin, mit der ich sonst zu tun habe, krankgeschrieben ist. Sie sollte mir beim Ausfüllen von Anträgen helfen: Bürgerg...

Verzögerte Realität

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Wie so oft beginne ich meinen Blog mit gestern . Das ergibt Sinn, weil ich euch von dem erzählen möchte, was mich gerade beschäftigt auf meiner Reise zum Tod. So auch heute wieder. Vielleicht könnt ihr speziell an diesem Eintrag sehen, wie es in mir in Wellen auf und ab geht. Fast wie bipolar. Wenn ich wüsste, wie sich das anfühlt. Anyway, gestern … hatte ich einen sehr produktiven Tag. Produktiv heißt für mich: aufstehen, ein wenig lesen – zurzeit Heaven von Mieko Kawakami, das mir bisher gefällt! – dann essen, um meine Medikamente zu nehmen. Ein neues ist mittlerweile dazugekommen (Rosuvastatin Vivanta 20mg) – gegen zu hohe Cholesterinwerte. Die entstehen wiederum durch die Wunderpille, die mir überhaupt ermöglicht zu überleben. Natürlich habe ich sofort eingewandt, dass ich meine Ernährung fettfreier und insgesamt gesünder gestalten könnte, um das Medikament zu vermeiden. Aber meine Onkologin sagte, das Risiko sei zu hoch. Höchstwahrscheinlich könne ich noch so gesund essen, und ...

Ralf M. und das Erbe der Josefine Mutzenbacher

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Ich war dabei, meinen Antrag auf Bürgergeld auszufüllen und die Dokumente zusammenzusuchen. Genervt von der schieren Menge rief ich beim Jobcenter an. Die Nummer hatte man mir am Tag der Identitätsbestimmung gegeben. Durch die Warteschleife landete ich bei Ralf M. Eine Nummer für sich dieser Mitarbeiter. Als ich ihm erklärte, dass ich den Bürgergeldantrag nur ausfülle, um abgelehnt zu werden, um schließlich zur Grundsicherung zu gelangen, tat er so, als wüsste er sofort Bescheid. Dann fragte er trotzdem erstmal nach meinem Geburtsdatum. Damit er verstand, erwähnte ich meinen Lungenkrebs. Er: Ja, ich hab auch 'nen Tumor. Ich: Wie, sie haben auch einen Tumor? Ist der heilbar oder wieso arbeiten sie denn jetzt? Er: Na, von zuhause. Wegen Ansteckung. Ich: Hä, wie? Er: Na ich darf von zuhause arbeiten, damit mich keiner ansteckt. Ich: Ach so. Aber wieso denn überhaupt arbeiten? Er: Ich will doch arbeiten. Geld verdienen, solange ich kann. Ich: Aber wo ist denn der Tumor und ist d...

A Waste of Time

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Guten Morgen! Es ist Sonntag und ich bin frustriert. War ich früher auch schon, weil ich mir an diesem Tag immer besonders meiner Einsamkeit bewusst werde. Seit meinem Reset hat sich die Qualität der Einsamkeit jedoch verändert. Wie genau, begreife ich selbst nicht, kann ich nicht erklären. Was ich begreife und erklären kann, ist die gefühlte Zeitverschwendung, die ich jeden Tag empfinde. Ich möchte nicht mehr einfach nur so meine Zeit verbringen. Das käme einem Vergeuden gleich. So wie der gestrige Tag. Er fühlte sich letzten Endes so vergeudet an, dass ich abends auf der Couch lag und vor Verbitterung in einer Art Starre verfiel. Was war geschehen? Eigentlich nichts. Und doch war ich am Boden. Ich habe den Tag mit meiner Steuererklärung für 2024 verbracht. Könnt ihr euch vorstellen, wie sinnlos das ist? Ich verdiene fast nichts, zahle keine Steuern – und trotzdem muss ich den ganzen digitalen Papierkram erledigen, der angesichts meiner krankheitsbedingten Situation nur noch absu...

Rollercoaster, once again

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Mannomann, was für ein Geflenne die letzten Tage. Erst meldet sich E. Merkwürdiges Gefühl nach all den Jahren. Das ist, wie wenn man für eine lange Zeit so ganz tief unten in der Gletscherspalte festhängt und über die Jahre so langsam rausgeklettert ist und so kurz vorm Rand verweilt und nie so richtig rausgucken kann, weil man ihn nicht zu greifen kriegt. Dann schenkt mir ein Freund ganz viel Geld, also so viel, wie mir noch nie geschenkt wurde, und damit kann ich mir jetzt locker den Flug nach Australien buchen. Was soll ich dazu sagen? DANKE!!! Ein weiterer Freund will mir auch einen Flug schenken, nach Irland, und alle sagen, ich soll immer alles annehmen, soll nicht rummachen, ich könne es gebrauchen, ich habe es verdient. Der Irlandfreund sagte sogar wörtlich „Du siehst daran, wie viel du für andere getan hast. Ist doch schön, wenn ein bisschen was zurückkommt.“ Aber es fühlt sich trotzdem komisch im Bauch an. So als wäre ich kurz vorm Verrecken, als könne an dem Zauber der Me...

Vier Minuten und fünf Sekunden

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  Mir ist heiß. Ich denke, ich habe Fieber, auch wenn mein Thermometer das nicht wirklich bestätigt. Vielleicht ist es kaputt oder zeigt Mist an, weil ich es nur unter den Arm klemme. In den Arsch stecken finde ich nicht so geil. Also jetzt nicht, weil ich homophob wäre oder so ein Quatsch, aber ich finde die Vorstellung, mir etwas Spitzes Metallisches rektal einzuführen, einfach nicht so prickelnd. Jedenfalls fühle ich mich krank. Scheiße! Das ist genau das, was ich vermeiden sollte. Wovon die Ärztin sprach. Ausgerechnet das passiert jetzt. War gestern vielleicht zu viel und zu lang unterwegs, dabei den Körper ausgepowert. Oder es waren Menschen, die mich angesteckt haben. War viel in der Bahn und auch sonst da, wo Menschen eng aufeinander sind. Aber ich will jetzt nicht die ganze Zeit mit Maske rumlaufen. Das würde mich kirre machen. Ich will nicht zum Hypochonder werden. Höllisch aufzupassen, würde es meiner Meinung nach nur schlimmer machen. Dann kriege ich erst recht die Kretz...

Das größte Arschloch von allen

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Ich bin wieder zuhause. Mit Besuch von Freunden. Ist schön aber auch anstrengend. Noch keine Ruhe. Ich brauche Platz und Zeit für mich. Muss schreiben, um klaren Kopf zu bewahren. Die scheiß Bundestagswahlen waren am Sonntag. Haben mich tierisch runtergezogen. Vor allem, weil ich eh nicht wählen darf. Wisst schon, ich Deutschlehrer aber mein Pass sagt immer Italiener. Und ihr wisst, was das in Deutschland heißt. Einmal Kanake, immer Kanake! Interessant ist, dass mein Bruder schon lange einen deutschen Pass hat, bestimmt seit zehn Jahren. Ich hab ihm noch davon erzählt, also dass es mittlerweile möglich ist – so doppelte Staatsbürgerschaft und so. Und dann ist er zum Rathaus und hat’s gleich umgesetzt. Seit letztem Jahr sogar meine Eltern. Nur ich krieg ihn nicht. Bin nicht gut genug für den Puff. Egal. Bin eh bald tot! Zurück zu den Wahlen. Kann mich auch ohne Pass darüber aufregen oder freuen. Zum Glück sind die Wichser von der FDP raus, und das ist ja immerhin ein Segen - endlich ...

Fangs of hell

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Death is depressing as it is. If you’re surrounded by it, it’s even more depressing. My mom’ s right in the middle of it . I’ve never felt a stronger urge to kill someone, anyone. Yes, you’ve guessed right. I’m at my parents. Just for a weekend. One weekend is enough to become a murderer.    I feel sorry for my dad who’s turned into a weak little creature waiting to die. And m y mother who tak es care of him even though he despises her for it because she’s the last person he wants to be dependent on. I’m thinking abomination and purgatory, fire and brimstone, witches burning on a pyre. I feel sorry for her, too, but it’s hard to show empathy when she’s such a pain in the a r s e .  How did I survive this unbearable weekend? I’m not sure. If anything, it makes me crave my death. I’d rather die than live another day trapped in the fangs of hell. All I want is a bit of peace. Is that too much to ask for? To die in peace? From the most suffocating place on earth V. M.

Horrorshow

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                                              Heute nur ein paar schnelle Worte zu meinem gestrigen Tag, der furchtbare Züge hatte. Wie ihr wisst, sind meine Onkologinnen des Todes nicht besonders einfühlsam. Das liegt einfach in der Natur der Dinge. Sie haben keine Zeit für eine umfangreiche Betreuung. Sie therapieren zwar – sprich, sie erstellen die Diagnose, sind bei der Tumorkonferenz dabei, entscheiden über die Therapieform – aber für alle Fragen zwischendurch, zu Nebenwirkungen oder sonstigem, haben sie keine Zeit. Dafür gibt es die sogenannten OVZs (Onkologischen Versorgungszentren). Ob man beides haben kann, eine gute Therapie und eine gute Betreuung, das habe ich bisher nicht herausfinden können. Die OVZs sagen nein, aber ich vertraue ihnen nicht.  ...